Zum Weinen seien viele Arzneimittelspenden, die aus der Bundesrepublik in der DDR ankommen, klagt der Ostberliner Pharmazeut R Lipfert in der Stuttgarter Apotheker Zeitung (Nr 11/90, S 1) „Nunmehr kistenweise auflaufende Arztemuster entlasten zwar kurzfristig bundesdeutsche Arztpraxen, uns aber belasten sie enorm“ So seien die Spenden „als zufälliges Sammelsurium von Einzelpackungen für eine sinnvolle Nutzung ungeeignet“, obendrein könne man „vielfach bereits angebrauchte Originalpackungen in der Sendung finden“ Es herrschten offenbar falsche Vorstellungen von der Not in der DDR, „wahrscheinlich durch undifferenzierte Jammerhaltung eigener Kollegen genährt“ Im allgemeinen stunden ausreichend Arzneimittel zur Verfugung, um vernunftig zu therapieren Lipfert begrüßt es, daß Westberliner Sondermull nicht mehr in die DDR verbracht wird Diesen Beschluß jedoch „unterwandern wir deutsch-deutsch pharmazeutisch, indem wir dieses Entsorgungsproblem der Bundesrepublik auf eine kollegiale ‚Hilfsaktion‘ verlagern“ HST

Konig der Wandervogel ist der Albatros Schätzungen, wonach der mit 3,2 Meter Spannweite größte Meeresvogel auf einer einzigen Wanderung 1800 Kilometer zurucklegt, müssen erheblich nach oben korrigiert werden Franzosische Wissenschaftler (Nature, Bd 343/90, S 746) verfolgten per Satellit sechs Wanderalbatrosse im Indischen Ozean und kamen zu spektakulären Ergebnissen Die Wanderungen, die ausschließlich dem Nahrungserwerb dienen, dauerten maximal einen Monat und führten die Vogel bei Spitzengeschwindigkeiten von über 80 km/h bis zu 15 000 Kilometer weit Die Tiere kamen anschließend wohlgenährt zu ihren Nestern zuruck, um die Partner beim Brüten abzulösen Der Wind spielt bei den Wanderungen eine zentrale Rolle Gerieten die Vogel in windstille Hochdruckgebiete, dann saßen sie wie in einer Falle tagelang fest

CW

Die Schizophrenie-Krankheit trete immer seltener auf, vermutet ein Wissenschaftler vom angesehenen Londoner Institut für Psychiatrie namens Geoffrey Der Im Lancet berichtete Der Anfang März von einem auffallenden Ruckgang der Krankenhausaufnahmen in den letzten zwanzig Jahren Doch sollen die Leser des Lancet jetzt für bare Münze nehmen, daß in England seit 1969 nur noch halb soviel Schizophrene behandelt werden mußten wie in den Jahren zuvor?

Die englischen Medizinstatistiker haben ihrem Rechenwerk die Zahl erster Krankenhausaufnahmen wegen Schizophrenie-Diagnosen zugrunde gelegt Dies ist jedoch ein unzulässiges Verfahren, denn gerade in der Psychiatrie wechselt die Gewichtung von Krankheitszeichen und ihrer diagnostischen Zuordnung standig Heute sind Nervenarzte mit dieser Diagnose zurückhaltender als früher Dann mußten aber Psychosen, die in der Vergangenheit als Schizophrenie diagnostiziert worden waren, jetzt vermehrt in den psychiatrischen Kliniken behandelt werden Im Vereinigten Königreich konnte dies der Fall sein, denn ein so deutlicher Ruckgang in der Zahl stationar behandelter Psychosen ist von den Englandern nicht vermeldet worden Der renommierte Mannheimer Psychiater Heinz Hafner, der im Lancet auch zitiert wird, halt Rückschlüsse aus der Statistik für sehr voreilig „Bei uns und anderswo hat sich nichts geandert“ HHB

Eine unbekannte Senke für Kohlendioxid suchen die Geochemiker, weil ihre Modelle den Anstieg dieses Treibhausgases deutlich überschätzen Laut New Scientist (Nr 1707, S 24) gehen neueste Vermutungen dahin, daß die bisher noch unbekannte, der Luft massiv Kohlendioxid entziehende Pumpe nicht im Ozean, sondern in der terrestrischen Biosphäre liegen müsse Wiederaufforstung von Waldern oder eine Ausdehnung der Vegetation vor allem in der Nordhemisphäre gelten als mögliche Ursache HST