Trotz aller Bitten, internationaler Appelle und diplomatischer Proteste ist am Donnerstag vergangener Woche im Irak der Journalist Farsad Bazoft gehenkt worden – in einem Prozeß, der allen rechtsstaatlichen Prinzipien Hohn sprach, als "Spion" angeklagt und nur durch ein erpreßtes Geständnis überfuhrt.

Bazoft, im Iran geboren, arbeitete als Staatenloser mit britischem Paß für die Londoner Sonntagszeitung Observer. Im September 1989 war er auf offizielle Einladung Bagdads mit einer Journalistengruppe in den Irak eingereist. Während sich die Gruppe im Land aufhielt, verlautete, daß sich in der Militäranlage El Iskandaria, südlich der Hauptstadt, eine große Explosion mit über 700 Todesopfern ereignet habe – dort vermuten viele eine Raketenfabrik oder auch ein Atomlabor.

Bazoft gelangte, als Arzt verkleidet und mit Hilfe einer englischen Krankenschwester (sie wurde zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt), in das Sperrgebiet, wo er Bodenproben sammelte und Aufnahmen machte. Erst bei der Ausreise wurde er verhaftet. Monate später mußte er vor Fernsehkameras ein Geständnis ablegen.

Daß Bazoft nicht für eine fremde Macht spioniert hat, muß dem Regime Saddam Husseins klar gewesen sein. Aber der ehrgeizige und risikobereite Journalist kam der Regierung gelegen – sie vermochte Harte nach innen und Selbstbewußtsein nach außen zu demonstrieren. Und sie konnte, um den Preis eines Menschenlebens, ihre Gegner warnen: Kontrolle durch Öffentlichkeit duldet sie nicht.

Im vergangenen Jahr sind weltweit mindestens 53 Journalisten ermordet worden, doppelt so viele wie im Jahre 1988. Die meisten wurden gezielt umgebracht von Sicherheitskräften und paramilitärischen Organisationen, von Verbrecherkartellen und Untergrundbewegungen. Die meisten Opfer waren in Kolumbien und El Salvador zu beklagen.

Nur eine Minderheit mußte sterben, weil sie einer brandheißen Geschichte auf der Spur war. Die Mehrzahl bezahlte mit ihrem Leben zwei Tabuverletzungen. Entweder veröffentlichten sie in Form von Anklagen und Satiren, was der Mehrheit der Bevölkerung ohnehin bekannt war: Korruption der Regierenden, Vetternwirtschaft, Unterschlagung, versagende Justiz, staatlich geduldete oder angeordnete Gewalt. Oder sie gerieten schreibend und recherchierend in eine Grauzone: Aus ihr zu berichten ist nicht ausdrücklich verboten, aber eben auch nicht erlaubt. "Wir bewegen uns", so formulierte es einmal ein paraguayischer Rundfunkjournalist, der nach einem Anschlag ins Ausland fliehen konnte, "in einem Minenfeld: Wir wissen nicht, ob dort wirklich Minen liegen. Manchmal treten wir auf eine, die nicht explodiert. Aber manchmal..."

Solche Willkür der Mächtigen erschwert journalistische Arbeit gerade dort, wo eine funktionierende Justiz nicht existiert und die politische Opposition, aus welchen Gründen auch immer, schweigt. Es sind Länder, das belegen Untersuchungen, mit hohen Analphabetenraten, in denen Journalisten teils ganz gegen ihren Willen in die Rolle der politischen Opposition gedrängt werden.

Manuel Buendia, ein mexikanischer Journalist, wurde 1984 erschossen. Die Polizei war wenige Minuten später am Tatort; aber nicht die Mörder interessierten sie, sondern Buendias Büro, die zahlreichen Dossiers, Zettel, Notizen, die dem Journalisten zugesteckt worden waren. Er hatte dank dieser Informationen immer wieder den Filz der Staatspartei geißeln können – mit Namen, Zahlen und Daten. Erst Mitte vorigen Jahres wurde der wahrscheinliche Auftraggeber des Mordes festgenommen, der seinerzeitige Chef des staatlichen Sicherheitsapparates. Gelegentlich verkalkulieren sich die Herrschenden aber auch: Der Mord an dem Zeitungsverleger Chamorro löste 1978 jenen Widerstand gegen den nicaraguanischen Diktator Somoza aus, der diesen ein Jahr später zur Flucht zwang. Horst Bieber