Der Ausgang der Wahlen in der DDR hat bei den deutschen Aktien für einen weiteren Kursschub gesorgt. Er brachte den Deutschen Aktienindex (Dax) in die Nähe seines bisherigen Jahreshöchststandes. Dies geschah zwar bei großen Umsätzen, aber ohne Euphorie. Dafür sorgten schon die ständigen Gewinnmitnahmen.

An der Börse gehen viele davon aus, daß die kommenden Wochen manche Ernüchterung in Sachen Ostphantasie bringen werden und daß dann Gelegenheit bestehen wird, die jetzt verkauften Aktien billiger zurückkaufen zu können. Für Kurskorrekturen werden auch die hohen Belastungen des Marktes durch Kapitalerhöhungen sorgen. Viele Unternehmen wollen sich an der Börse Geld für Projekte beschaffen, die sich gegenwärtig noch im Stadium der Verhandlungen befinden und die dazu dienen sollen, Anteile an dem sich öffnenden Ostmarkt zu erschließen.

Zahlreiche Börsianer vertreten die Ansicht, daß die Aktienkäufer künftig selektiver vorgehen werden. Unternehmen mit besonderen Chancen in der DDR werden in nächster Zeit die Kauflisten anführen. Die Zeiten genereller Hausse-Bewegungen seien vorerst vorüber, wird behauptet.

Unter diesem Aspekt verdient die sprunghafte Aufwärtsbewegung der Spar-Aktie besondere Aufmerksamkeit. Sie war im Dezember 1988 zum Preis von 250 Mark angeboten worden und liegt jetzt bei 500 Mark. Die Spar-Handels-AG bemüht sich – ebenso übrigens wie Asko –, mit den HO-Läden der DDR ins Geschäft zu kommen. Da mit einer raschen Währungsunion bei einer Umstellung der Sparguthaben im Verhältnis eins zu eins gerechnet wird, bereitet sich auch der westdeutsche Einzelhandel auf einen baldigen Konsumstoß vor. Diese Erwartung drückt sich in den Börsenkursen der Warenhausaktien aus.

Nutznießer von Ostaktivitäten sind ferner die Fahrzeugunternehmen. Die VW-Aktien haben erstmals die Marke von 600 Mark erreicht. Und dies, obwohl in der kommenden Woche eine Kapitalerhöhung beginnt. Sie erfordert immerhin den Betrag von 1,32 Milliarden Mark. Bedauert wird in Börsenkreisen, daß der VW-Vorstand nicht dem Beispiel der Deutschen Bank gefolgt ist, die vor ihrer Kapitalaufstockung die Aktionäre über die erwartete Dividende für 1989 informiert hat.

Die Bankaktien leiden weiterhin unter der Zinsunsicherheit. Eine Ausnahme war in den vergangenen Tagen die Deutsche Bank. Dafür sorgten Gerüchte, nach denen das Institut eine Mehrheitsbeteiligung an der künftigen, aus der Staatsbank der DDR auszugliedernden Deutschen Kreditbank erwerben will und damit mit einem Schlag in der DDR in über 300 Zweigstellen präsent wäre. Der Kurs der Deutschen Bank kehrte in den Bereich um 800 Mark zurück. K. W.