Von Klaus Schönefeit

Schade, daß es seinerzeit noch keine Yellow Press gab – er hätte Klatschstoff für Jahre hergegeben, jener Erik XIV., der zweite Wasa-König von Schweden. Angefangen mit seinem Bild, das 1561 auf eine längere Reise nach London ging: ein Herr im kurzen Wams seiner Zeit, das Schwert gegürtet, den Rauschebart doppelt gezwirbelt, der linke Zipfel eindeutig ein wenig kürzer gewachsen. Mit diesem lebensgroßen Gemälde von Stephen van der Meulen hielt Erik um die englische Königin Elisabeth I. an. Sie stellte sein Bild in die Ecke und blieb ledig bis an ihr Ende.

Erik hingegen heiratete sieben Jahre später eine gewisse Karin Mansdotter, die Tochter eines Knechts am Stockholmer Hof, wurde bald darauf von seinen Brüdern abgesetzt und eingesperrt und soll 1577 durch vergiftete Erbsensuppe ums Leben gekommen sein.

Sein Bildnis kam erst 1932 wieder nach Schweden zurück und wurde in die Portraitgalerie des Schlosses Gripsholm eingereiht: Zimmer Nummer 5 im Erdgeschoß, früher das Schlafgemach der Fürstin Maria von der Pfalz. Eines von 3400 Bildern: Die Sammlung von Gripsholm, 65 Kilometer hinter Stockholm, gilt als eine der umfangreichsten Portraitgalerien der Welt. 1755 wurde sie von Gustav III. angelegt. Wer erst nach 1809 populär wurde und alle, die kein königliches Blut nachweisen konnten, wurden außerhalb der 188 Gripsholmer Räume in die Volkshochschule nebenan gehängt. Das sind nun auch schon wieder mehrere hundert Bilder.

Kugellagerfabrikanten finden sich dort neben den Portraits von Hofsängerinnen, Forschungsreisenden und Ministern, der „göttlichen“ Garbo und des im Kongo abgestürzten UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld. Aber einer fehlt: Der Deutsche Kurt Tucholsky, der am 9. Januar dieses Jahres, wie die Feuilletons der Zeitungen erinnerten, hundert Jahre alt geworden wäre.

Tucholsky, heute immer noch der meistgelesene Autor aus der Zeit der Weimarer Republik, floh 1933 nach Schweden. Zwei Jahre später nahm er sich dort das Leben. Im Jahr 1929 hatte Tucholsky im Städtchen Mariefred bei Gripsholm fünf Wochen Urlaub gemacht und später seine luftige Sommergeschichte „Schloß Gripsholm“ veröffentlicht. „Ich weiß“, heißt es darin, „nichts vom Stil dieses Schlosses, ich weiß nur: wenn ich mir eins baute, so eines baute ich mir...“

Der Schriftsteller liegt auf dem Totenacker von Mariefred unter einer Eiche begraben, zwischen Einheimischen mit Namen wie Apelgren oder Lindström oder Svenson. Die schwere Grabplatte blieb aus Furcht vor deutschen Repressalien bis 1945 ohne Inschrift. Meist findet man hier heute einen Blumenstrauß und immer Goethes Zeilen: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.“ Den letzten Platz, hinten rechts, hatte er sich immerhin selbst aussuchen können.