Freiwillig bedeutete in offiziellen Texten oft die formale Freiwilligkeit, den Pionieren, der FDJ, dem FDGB beizutreten oder sich an der Schule der sozialistischen Arbeit, der Maikundgebung oder an Volks wählen zu beteiligen. Wer all dies nämlich nicht tat, bezeugte damit „sein falsches Bewußtsein“, was Dummheit, Verstocktheit oder Gegnerschaft bedeutete, in jedem Falle aber beschränkte Aufstiegschancen.

Auf Friedenswacht ist/war man im Dienst der DDR-Grenztruppen, weil der „Schutzwall“ zum anderen, feindlich gesonnenen Deutschland hin offiziell stets als ein „Garant des Friedens in Europa“ galt.

Als Feierabendbrigaden bezeichnet man Handwerkertruppen, die nach Feierabend oder am Wochenende auf privaten Baustellen beschäftigt sind. Der Mangel an privaten Handwerksbetrieben brachte ihnen einen erklecklichen Nebenverdienst ein. Denn die sogenannte Feierabendarbeit wird um ein Mehrfaches besser bezahlt als offiziell erlaubt.

Der Feriendienst des FDGB (der bisherigen Einheitsgewerkschaft) vermittelte jährlich mehr als eine Million erheblich verbilligter Urlaubsplätze an Berufstätige (in der Mehrzahl FDGB-Mitglieder). Für den begehrten Ferienplatz mußte man mitunter ein paar Jahre in der Warteschleife stehen. Die beschränkten Reisemöglichkeiten haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, daß es zum guten Image des DDRlers gehörte, eine „Datsche“ im Grünen zu haben – eine Laube, ein Wochenendhäuschen, wo man die schöne Jahreszeit unabhängig vom FDGB und den Reisebeschränkungen genießen konnte.

Im offiziellen Sprachgebrauch ist viel von Fertigungen die Rede gewesen. Ein „gefestigter Klassenstandpunkt“ war ein hohes Ziel der sozialistischen Bildungsarbeit. Festigen sollten sich aber auch die Arbeitskollektive, die Beziehungen von Elternhaus und Schule et cetera. Als „allseitig gefestigt“ wollte die alte Führung aber vor allein, ihren Staat sehen; mich hat diese Formulierung immer an den „Schutzwall“ erinnert, die allseitig gefestigte Umfriedung des Landes, die ja tatsächlich – wie in diesen Tagen ganz offenbar wurde – die einzige Garantie für eine gewisse innere Stabilität darstellte.

Der Begriff des Fortschritts hatte im offiziellen Sprachgebrauch der DDR bislang einen politischen Sinn. Für den Fortschritt zu sein, an ihn zu glauben kam in der DDR einem Bekenntnis zur führenden Rolle der SED gleich, weil die sich als die fortschrittlichste Kraft der Gesellschaft betrachtete. Insbesondere das Wort „fortschrittlich“ dürfte also für die nächste Zeit unbrauchbar sein.

Auch der Begriff von Freiheit hat sich – nicht zuletzt durch die diversen politischen Schulungsveranstaltungen – einigermaßen verwirrt. In den meisten Köpfen spukt ein mißverstandenes Friedrich-Engels-Zitat herum, wonach Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit sei, was hinter der Mauer nach krudestem Opportunismus klingt. Die Begriffsverwirrung ging mit einer Simplifizierung einher: Freiheit sei, durch ein Loch in der Mauer zu schlüpfen.

Martin Ahiernds ist Veriasser des otv-Sachbuchs„Allseitig gefestigt – Suchworter zum Sprachgebrauch der DDR“