Von Thomas Hanke

Die Pressefreiheit in Europa ist in Gefahr Dieser warnende Hinweis kommt nicht von einer Medien-Gewerkschaft, sondern von der European Advertising Tripartite (EAT) Die in Brüssel ansassige EAT repräsentiert eigenen Angaben zufolge Werbeagenturen, die rund 85 Prozent der Werbeauftrage in der Europaischen Gemeinschaft abwickeln Sie sorgt sich nicht etwa wegen der anhaltenden Konzentration in der europaischen Medienlandschaft, sondern wegen der Absicht der EG-Kommission, die Tabakwerbung einzuschränken

"Von da bis zur völligen Abschaffung der Pressefreiheit ist es nur noch ein Schritt", trumpft Alistair Tempest auf, EAT-Chef und Raucher einer britischen Edelmarke Glücklicherweise verfugt die Presse über Verbündete in ihrem bevorstehenden Überlebenskampf gegen europäische Zensurgeluste "Sie haben mehr zu verlieren als wir, aber wir fühlen uns der Verteidigung unserer gemeinsamen Sache voll verpflichtet", biederte sich ein anderer Werbeverband, die European Association of Advertising Agencies, in Brüssel der Presse an

Wieviel die Werbeunternehmen zu verlieren haben, wenn die Zigarettenwerbung in Zeitungen, Zeitschriften und auf Plakaten bestimmten Auflagen unterworfen wird, wollen sie selbst nicht so gerne beziffern Ihre europäischen Verbände werden von Kommunikationsstorungen befallen, fragt man sie nach den Umsätzen der Presse- und Außenwerbung für Tabakerzeugnisse Die Zigarettenindustrie nennt eine Zahl von rund 500 Millionen Mark für die gesamte EG Diese gilt aber als untertrieben

Fest steht, daß schon heute sehr viel mehr für Sponsoring gezahlt wird Allein für die Formel-l-Autos des Rennfahrers Ayrton Senna zahlt ein Zigarettenkonzern mehr, als die Tabakwerbung in den belgischen und holländischen Printmedien kostet

Die EG-Kommission will allerdings keineswegs die Tabakwerbung vollständig verbieten In ihrem Richtlinienentwurf steht lediglich, daß die Werbung in den Zeitungen und Zeitschriften sowie auf Plakaten sich auf die Darstellung der Zigarettenpackung beschranken muß, wobei zehn Prozent Packungsflache für Warnungen vor den schädlichen Folgen des Rauchens zu reservieren sind

Nur aus Jugendzeitschriften soll die Tabakwerbung völlig verschwinden Ganz verbieten will Brüssel indirekte Werbung, die nicht offen für den blauen Dunst einsteht, sondern die Tabakreklame hinter luxuriösen Feuerzeugen oder knarrenden Lederstiefeln verbirgt, die den Namen der Zigarettenmarke tragen