Kaum war die Mauer offen, strömten auch schon die Vertreter der großen deutschen Banken in die DDR Wolfgang Roller etwa, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, kehrte mit großem Pomp an den Grundungsort der Bank zuruck Im Sonderzug fuhr er nach Dresden zur Eröffnung der neuen Repräsentanz Mittlerweile hat die Dresdner Bank sechs weitere Büros in der DDR Ihr größter Rivale, die Deutsche Bank, ist sogar schon in zehn DDR-Stadten vertreten Und auch die Commerzbank will baldmöglichst Filialen im anderen Deutschland eroffnen

Um im Konkurrenzkampf um die Ost-Kunden erfolgreich zu sein, suchen die Banken jetzt nach versierten Leuten aus den eigenen Reihen Ob Helfersyndrom oder die Aussicht auf einen Karrieresprung Viele Bankangestellte sind bereit, in die DDR zu wechseln Die Commerzbank hat in den vergangenen Wochen 2400 Mitarbeiter befragt, ob sie denn im Osten arbeiten wurden. Mehr als die Hälfte sagte spontan ja, kurzfristig werden aber nur 150 Leute gebraucht Die Dresdner Bank fragte ihre Filialleiter nach geeigneten Kandidaten, die demnächst in der DDR Kredite vergeben können „Alle, die wir angesprochen haben, waren bereit, ruberzugehn“, verrat die Bank Hundert Beschäftigte der Deutschen Bank bekommen gar eine Ausbildung, die sie auf die neuen Aufgaben in der DDR vorbereiten soll Sie werden demnächst „zuruck zu den Ursprüngen des Bankgeschäfts“ gehen und statt Aktien und Termingeschäften das gute alte Sparbuch empfehlen

Bereitschaft und Fachwissen allein aber genügen nicht für erfolgreiche Ost-Handel „Wichtig ist vor allem die soziale Kompetenz“, behauptet Klaus Wehmeier von der Kienbaum Personalberatung. „Viele westdeutsche Manager wissen doch gar nicht, wie Planwirtschaft geht. Wie sollen sie sich in das Umfeld einfühlen und die Menschen in der DDR verstehen?“

Mit der Statistik kann man bekanntlich fast alles beweisen Derzeit gibt der Lastwagenhersteller MAN eine Kostprobe dieser Kunst In großformatigen Anzeigen stellen die Brummi-Produzenten aus München die Frage „Dicke Luft durch Lkw?“ – und kommen natürlich, zu der eindeutigen Antwort: von Lkw verursachte Anteil an der gesamten Schadstoffemission ist denkbar gering“

Die Werbekampagne von MAN wirkt freilich eher peinlich Zum Beweis für ihre Behauptung berugibt Dagegen hat Umweltminister Klaus Topfer im Immissionsschutzbericht Zahlen präsentiert, die nun von MAN zitiert werden Die Statistik stammt aus dem Berliner Umweltbundesamt (UBA) Und sie besagt nicht mehr, als daß die wenigen schweren Nutzfahrzeuge die Luft viel weniger stark verpesten als Industrie, Kraftwerke, Haushalte und die etwa dreißig Millionen Pkw zusammen

Die Berliner Oko-Fachleute fühlen sich denn auch gründlich mißverstanden Erstens besagen ihre Statistiken nämlich auch, daß der Gütertransport per Lastwagen viel umweltschädlicher ist als der Bahn- oder Schiffstransport Und zweitens erwarten sie in Zukunft vor allem deshalb noch dickere Luft, weil der Lkw-Verkehr so stark wächst

Die MAN-Werbeleute sind aber nicht nur bei den UBA-Fachleuten Fettnäpfchen getreten Helmut ferner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, zweifelt seit Monaten die UBA Zahlen an, auf die sich MAN beruft