Im Juli vorigen Jahres lief Spike Lees letzter Film „Do the right thing“ in den deutschen Kinos, mit mäßigem Erfolg. Der Film war nicht wirklich gut; aber in der Erinnerung wird er immer besser. Vor allem, wenn man „Driving Miss Daisy“ sieht, einen Film von Bruce Beresford. Beresford, ein Australier, arbeitet seit 1983 in den USA. Er hat einen traurigen („Tender Mercies“), einen lächerlichen („König David“), einen wehleidigen („Verbrecherische Herzen“) und einen peinlichen Film gedreht (die fünfte Episode der Opernrevue „Aria“); „Driving Miss Daisy“ ist noch weniger, nämlich ein netter Film. Der Fabrikdirektor Boolie (Dan Aykroyd) beschafft seiner alten Mutter Daisy (Jessica Tandy) einen schwarzen Chauffeur (Morgan Freeman). Das geschieht 1948. Fünfundzwanzig Jahre lang fahren Miß Daisy und ihr Chauffeur durch Atlanta und die blühende Landschaft der amerikanischen Ostküste, und am Ende sind sie so alt, daß es wirklich egal ist, wer von den beiden schwarz ist und wer weiß. Manche Rassenkonflikte lösen sich eben von selbst: durch Ermüdung. Das Verlogene an den sogenannten liberalen Hollywoodfilmen liegt darin, daß sie immer die Schlachten von gestern schlagen. Spike Lee aber zeigt den Straßenkampf von heute; und deshalb hat „Driving Miss Daisy“ neun Oscar-Nominierungen bekommen und „Do the right thing“ nur eine einzige. So muß es wohl sein. Prädikat: wertvoll. Andreas Kilb