Tories im Stimmungstief

Margaret Thatcher ist auch bei den Konservativen nicht mehr unumstritten Von Jürgen Krönig

London, im März

Margaret Thatcher muß schwere Zeiten durchstehen. Eine Mehrheit der britischen Wähler will von der Premierministerin nichts mehr wissen; bei einer Nachwahl zum Unterhaus steht schon in dieser Woche ein bislang sicheres Tory-Mandat auf der Kippe. Auch in ihrer eigenen Partei beginnt die Stimmung umzuschlagen; immer häufiger ist zu hören, es sei Zeit für einen Wechsel. Konservative Stadträte verlassen wegen der polltax, der neuen Gemeindesteuer, die Partei.

Minister haben begonnen, hinter dem Rücken Frau Thatchers über einen möglichen Nachfolger aus den Reihen des Kabinetts zu beratschlagen, schon um den Außenseiter Michael Heseltine zu verhindern. Konservative Abgeordnete starren verängstigt auf die immer verheerenderen Umfrageergebnisse; selbst Hinterbänkler vom rechten Flügel der Tories begehren offen gegen die Regierungschefin auf und fordern ganz unverblümt ihren Abgang "noch vor der nächsten Wahl",

Auch auf die Bankiers und Börsenmakler, jene Gruppe, die wie keine andere von ihrer Politik profitiert und der die Privatisierungswelle horrende Gewinne ermöglicht hat, ist kein Verlaß mehr. In der Londoner City führen sie artig Gespräche mit prominenten Labour-Politikern, die der Finanz- und Geschäftswelt versichern, daß sie von einer künftigen Labour-Regierung keinen garstigen Sozialismus zu befürchten haben.

Die Ursache für die tiefe Vertrauenskrise, in der die Regierung steckt, ist auf den ersten Blick vor allem die neue Gemeindesteuer. Margaret Thatcher hat diese Steuerreform durchs Parlament peitschen lassen, obgleich sie der Widerstand vieler Parteifreunde hätte hellhörig machen müssen. Die polltax ist typisch für die dritte Phase der Thatcher-Revolution.