Gegen die erste freie Wahl in der DDR kamen die bayerischen Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag natürlich nicht an, weder an Wichtigkeit noch an Aufmerksamkeit. Ohnedies lassen sich die Resultate nicht über einen Kamm scheren: Zu unterschiedlich sind die lokalen Bedingungen, zu kompliziert ist das süddeutsche Kommunalwahlrecht – wegen der Möglichkeit des Panaschierens und Kumulierens waren die Stimmzettel auch am Dienstag abend noch nicht vollständig ausgezählt. Und außerdem werden die Stadtoberhäupter direkt gewählt: Eine Mehrheit für den Bürgermeister muß nicht einer im Rat entsprechen.

Dennoch zeichnen sich einige Trends vor der Landtagswahl im Oktober ab. Die CSU hat Stimmen und viele Posten verloren – wie viele genau, läßt sich erst nach den Stichwahlen um jene Bürgermeisterämter sagen, bei denen am Sonntag keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte... Nach der Europawahl im Juni 1989 war dies der zweite Wahlgang ohne Franz Josef Strauß – und es zeigte sich auch hier: Gerade in den Hochburgen gab es herbe Verluste. Die CSU muß weiterhin ernstlich um ihre absolute Mehrheit im Landtag fürchten – und damit um ihre Sonderstellung in der Union.

Nicht alle Verluste der CSU kamen den rechtsradikalen Republikanern zugute. Überhaupt schnitten Schönhubers Leute schlechter ab als befürchtet. Doch zur Entwarnung besteht noch kein Anlaß. Gewiß, die "Reps" fielen weit hinter die 14,6 Prozent bei der Europawahl zurück – aber das war eben eine reine Protestwahl gewesen. Doch überall, wo die Republikaner antraten, konnten sie, so sieht es bisher aus, auch in die Rathäuser und Kreistage einziehen. Ausgemacht ist also noch keineswegs, daß die Republikaner bei der Landtagswahl unter die Fünfprozenthürde sinken. Im übrigen: Selbst vier Prozent für die "Reps" könnten der CSU an der absoluten Mehrheit fehlen.

Die SPD bezog aus dem bayerischen Ergebnis Trost für die Niederlage ihrer Schwesterpartei in der DDR: In der Tat, Münchens Oberbürgermeister Georg Kronawitter konnte sich gegen den Bonner Regierungssprecher Hans Klein, von Anfang an ein allzu leichtfüßiger Gegner, famos behaupten; ähnlich ging es dem Nürnberger Amtsinhaber, der den Bonner Ex-Minister Oscar Schneider weit hinter sich ließ. Dafür ging Augsburg der SPD mit Pauken und Trompeten verloren. Im übrigen bleibt es dabei: Falls die SPD bei der Landtagswahl im Herbst soviel zulegt wie jetzt in München, nämlich ungefähr ein Prozent, dann liegt sie immer noch unter dreißig Prozent.

Robert Leicht