Im zentralen Kuppelsaal des Berliner Alten Museums, mit dem Friedrich Schinkel seinem den Göttern Griechenlands abgeschauten Kunsttempel die römische Note gab, hängt ein buntes Tuch von der Decke. Und die himmlischen Heerscharen aus vorchristlicher Zeit, die hier im Rund versammelt sind, scheinen weder in ihrer edlen Einfalt noch in ihrer stillen Größe tangiert zu sein durch den schönen Flickenteppich. Aber wie sollten sie auch! Ist doch diese "Casino ROCI Mexiko" betitelte Patchwork Fahne eine Arbeit von Robert Rauschenberg, den man zu Schinkels Zeiten wohl einen Liebling der Götter genannt hätte und den der amerikanische Kritiker Robert Hughes, der die Mode Matadoren des Kunstbetriebs oft so glorios auseinandernimmt, heute als "allerlebendigsten Künstler" preist.

Alle lieben Robert Rauschenberg, den Künstler, der alles, was er anfaßt, verwandelt und zu schwereloser Schönheit collagiert, mal in der zweiten Dimension des Siebdrucks, mal in der dritten des "Combine Painting" oder der Skulptur: die Photo Zitate der Gegenwart und die der kunsthistorischen Vergangenheit, das ausgestopfte Huhn und Kissen und Kasten, den plattgewalzten Pappkarton und den alten Stuhl.

Alle lieben Robert Rauschenberg, den Menschen, der nie die Jesus Latschen angezogen und die ganze Menschheit geschultert hat, der aber immer direkt und praktisch handelte, wenn er es für notwendig hielt. Mit eigenen finanziellen Mitteln baute Rauschenberg in den siebziger Jahren die Change Inc auf, einen Fonds, aus dem in Not geratene Künstler rasch und unbürokratisch unterstützt wurden. Er gründete die Gruppe Experiments in Art and Technology, um Kunst und Technologie einander näherzubringen. Nicht zuletzt Rauschenbergs Prestige und seinem Insistieren ist es zu verdanken, daß es heute im Kunsthandel Verträge gibt, durch die Künstler bei einem Verkauf ihres Werkes nicht total enteignet sind. Und zur Durchsetzung seiner jüngsten und folgenreich sichtbarsten Tat hat Rauschenberg sich sogar bis auf weiteres von seinem alten Freund und Galeristen Leo Castelli getrennt und sich mit der Galerie Knoedler, deren Teilhaber der Kunstsammler und Millionär Armand Hammer ist, zusammengetan. Die Wanderausstellung "ROCI" ("Rauschenberg Overseas Cultural Interchange"), für die und mit der Rauschenberg seit 1984 arbeitend um die Welt reist, ist von ihm allein nicht mehr zu finanzieren.

Eine schöne Idee, die, wie alle schönen Ideen, die Welt nicht verändert, eine Kärrnerarbeit, mit der Rauschenberg an Orten jenseits des großen Kunstgetümmels und der Mega Ausstellungen vieles bewirkt. Mit seiner "Overseas Cultural Interchange" will er eine Art von Friedenstruppe der Kunst rund um die Welt in Bewegung setzen. Und hat es bereits getan. Er war in Santiago de Chile, Mexico City, Caracas, Peking, Lhasa, Habana, Tokio und Moskau und hat dort, oft in Gemeinschaft mit lokalen Handwerkern und Künstlern, Siebdrucke, Collagen, Bilder und Objekte hergestellt und ausgestellt, die dann, ergänzt durch Videofilme, auch auf der nächsten Station gezeigt wurden. In jedem Land bleibt als Geschenk eine dort entstandene Arbeit zurück, wenn die Ausstellung, die so von Station zu Station um eine Nation reicher und eine Arbeit ärmer wird, zum nächsten Stop over der Kunst reist. Die Wahl der Länder ist eine persönliche, aber sie ist, wie sich leicht sehen läßt, nicht zufällig. Chile und nicht Schweden, Tibet und nicht England: Rauschenberg hat vorwiegend die entfernte Geographie gewählt und die Gegenden, denen die Freiheit der Kunst von oben diktiert wird oder wurde. Schon lange wollte er nach Ost Berlin, aber Honecker hielt es, zu Recht, lieber mit Udo Lindenberg.

Aber nun war Rauschenberg doch da, eingeladen von der viven Leitung der Neuen Galerie, kam er gleich im November letzten Jahres für eine paar Tage, pho