Hotelbetten sind knapp in der DDR. Als Alternative bieten sich Privatquartiere an. Findige Verlage aus dem Westen haben nun umfangreiche Adressenverzeichnisse vorgelegt.

Nicht nur Experten erwarten in diesem Jahr einen Touristenansturm auf die DDR. Der Reiseboom birgt allerdings Probleme: Es gibt zwar rund 900 Hotels und Gasthöfe, doch nur 50 davon besitzen gehobenen Standard, und 100 sind Mittelklasse-Hotels. Etwa 700 Herbergen sind nach westlichen Schätzungen wegen Baumängeln und unzureichender Ausstattung nur schwer zu vermieten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND, empfiehlt deshalb Privatquartiere. "So bleibt das Geld in der DDR, und der Bauwut wird kein Vorschub geleistet", hofft BUND-Referentin Karin Lorenz-Hennig.

Nach ersten Übersichten gibt es bereits jetzt 40 000 Angebote von Zimmern, Ferienwohnungen und -häusern. Vermittelt werden die Unterkünfte über örtliche Touristik-Informationen, aber auch Kurverwaltungen, Zimmeragenturen und Reisebüros. Direktbuchungen ermöglichen Adressenlisten, die jetzt in der Bundesrepublik erhältlich sind. Das erste umfangreiche Verzeichnis ist im Weilheimer Alexandra-Verlag unter dem Titel "Privatquartiere in der DDR" erschienen. Auf 477 Seiten gibt der Wälzer rund 16 000 Adressen an – geordnet nach Bezirken und Städten. Auf die Angabe von Preisen wurde verzichtet, damit die Vermieter nicht an die häufig sehr niedrigen Forderungen gebunden sind. Derzeit liegen die Preise nach Auskunft des Verlages zwischen einer und hundert Mark, durchschnittlich etwa bei zehn Mark pro Nacht. Das Verzeichnis ist für 20 Mark im Buchhandel erhältlich. In zwei bis drei Monaten soll ein Ergänzungsband mit weiteren 10 000 Adressen erscheinen.

"Schmachtenhagen, 1 Ferienhaus auf Waldgrundstück, viele Seen in der Nähe, 30 DM pro Tag für vier Personen", lautet eine Offerte aus den Listen, die die Firma J. Knecht (Würzburger Straße 30HH, 6000 Frankfurt 60, Tel. 069/44 17 28) verschickt. Die Verzeichnisse "Ferienhäuser" und "Ferienwohnungen" umfassen etwa je 100 Angebote, die Liste "Ferienzimmer" 200 Adressen. Einzeln kosten sie 10 Mark, alle drei zusammen 25 Mark bei Vorauskasse.

Unter dem Titel "Herzlich willkommen" erscheint in Mairs Geographischem Verlag (Marco-Polozentrum, 7302 Ostfildern 4) Ende März ein Band mit 27 500 Privatquartieren. Er wird für etwa 20 Mark im Buchhandel erhältlich sein. "Pension (Monika in Dresden) aufgelöst. Inhaber in die BRD übergesiedelt" – solche und ähnliche Antworten bekam der Dortmunder Grafit Verlag (Wellinghofer Straße 205, 4600 Dortmund 30) bei seinen Recherchen in der DDR. Ende März gibt der Verlag einen DDR-Übernachtungsführer heraus, der rund 1800 Anschriften enthält. Preis: etwa 10 Mark.

Dem Wegweiser "Ferien auf dem Lande" soll ab Mitte Mai eine eigene Broschüre mit etwa 1500 bis 2000 ländlichen Quartieren in der DDR beigelegt werden. Die Angebote für den Landurlaub hüben und drüben sind für etwa 12 Mark zuzüglich Versandkosten beim Landschriften-Verlag, Heerstraße 73, 5300 Bonn 1 zu beziehen.

Austauschbesuche für Familien, Paare und Einzelpersonen auf Basis der Gastfreundschaft vermittelt die "sozialtouristische Initiative Intercultur". Gastgeber und Besucher werden nach Interessen und Alter zusammengestellt. Nach Auskunft von Intercultur haben sich bereits auf eine einzige Anzeige 10 000 DDR-Bürger gemeldet. Interessenten wenden sich an: NFJD Intercultur, Postfach 1257, 4806 Werther, Tel. 05203/51 09. Für die Vermittlung einer Unterkunft wird eine Gebühr von 135 Mark beziehungsweise 115 Mark erhoben.