Der Kommunismus ist tot. Doch die Führung des bevölkerungsreichsten Landes der Erde bemüht sich noch immer verzweifelt, dem Leichnam neues Leben einzuhauchen. Es wird ihr nicht gelingen: Auch in der Volksrepublik China kann das Macht- und Wahrheitsmonopol der Partei gegen den Freiheitswillen des Volkes auf Dauer keinen Bestand haben. Schließlich riefen die Studenten in Peking schon nach Demokratie, als über der DDR, der Tschechoslowakei und über Rumänien noch die bleierne Ruhe der Tyrannei lag.

China ist heute isoliert, wie schon oft in seiner Geschichte. Doch mit wirtschaftlicher Stagnation zahlt es für die scheinbare politische Stabilität einen hohen Preis. Deng Xiaoping, von dem sich die Chinesen die notwendigen Reformen erhofften, hat seine historische Chance vertan, das bitterarme Land in die Moderne zu führen. Jetzt legt der 85 Jahre alte Greis mit dem Vorsitz der Staatlichen Militärkommission sein letztes offizielles Amt nieder.

„Welche Stürme auch immer über die Welt fegen, das sozialistische China wird im Osten der Welt immer fest wie ein Felsen stehen“, verkündet Premier Li Peng unterdessen. Tatsächlich zieht über China ein Orkan auf, gegen den sich der Aufbruch in Osteuropa wie ein linder Frühlingshauch ausnehmen wird. M. N.