Von Michael Haller

Vivian“, der schlimmste Sturm dieses Winters, war gerade über Westeuropa hinweggefegt, und „Wiebke“, ihre Nachfolgerin, ging soeben irgendwo über dem Meer in Stellung, da wußte schon das Erste Deutsche Fernsehen, daß es sich um „Vorboten einer Klimakatastrophe“ handele; auch müsse man befürchten, „daß der Planet außer Kontrolle geraten könne“. Ist er bereits, meinten Kommentatoren in der Tagespresse.

Seit mehreren Jahren verkünden Zeitungen, Radio und Fernsehen die Botschaft, daß der Treibhauseffekt unsere Atmosphäre unaufhaltsam erwärmen und schließlich das gesamte Erdklima durcheinanderbringen wird. Dieser Effekt entsteht, weil die Industrieländer schädliche Spurengase – neben den Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und Methan vor allem Kohlendioxid (CO2) – in die Luft abgeben.

Die Spurengase wirken wie ein Glashausdach, das die vom Erdboden zurückgestrahlte Sonnenwärme seinerseits reflektiert und so für ein angenehmes Klima sorgt. Gibt es zu viele Gase, reflektiert also das Glashausdach zu stark, dann steigen die Temperaturen stetig an.

Es war Mitte der achtziger Jahre – wir hatten uns kaum an den Gedanken des Waldsterbens gewöhnt und gerade erst die Nato-Nachrüstung verkraftet –, als plötzlich Zeitungsmeldungen auftauchten, die von einer schrecklichen Zukunft mit Sintflut und Hungersnöten kündeten. Sollte man so etwas ernst nehmen?

Die Zweifel schwanden, als der Spiegel im August 1986 eine Titelgeschichte über den Treibhauseffekt veröffentlichte. Die Argumente waren so niederschmetternd, daß uns das Autofahren und der Urlaub am Mittelmeerstrand keine Freude mehr machten. Der Treibhauseffekt werde nämlich eine menschheitsbedrohende Überschwemmungskatastrophe bewirken, schrieb das Nachrichtenmagazin, und auf dem Titelblatt war der vom Hochwasser umspülte Kölner Dom zu sehen: die letzte Insel im uferlosen Meer der Naturzerstörung.

Die seither publik gewordenen Fakten und Argumente haben viele Journalisten beflügelt. In den folgenden Jahren überboten sich die Zeitungen mit immer neuen Schreckensszenarien über den drohenden Untergang der Zivilisation. Und wie zum Beweis, daß dies alles keine Hirngespinste, sondern sehr glaubwürdige Vorhersagen seien, brachen in den vergangenen Wochen diese verheerenden Stürme über uns herein. Land unter, hieß es an der Nordseeküste, die Insel Sylt sei vom Untergang bedroht. Die schreckliche Klimazukunft habe schon begonnen, stand folgerichtig in vielen Zeitungen.