Von Wolfgang Hoffmann

Eine gewisse Neigung zur Renitenz ließ Flottillenadmiral Elmar Schmähling auch schon früher erkennen, mit seinem Buch „Der unmögliche Krieg“ hat er nun aber die Grenzen des Truppengeschmacks überschritten. Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg mußte den Offizier feuern. Einen Offizier, der ausplaudert, was Zivilisten eigentlich gar nicht wissen sollen, kann sich die Bundeswehr nicht leisten.

Hätte man die unbequemen Fakten, die der Admiral auf 320 Seiten über „Sicherheit und Verteidigung vor der Jahrtausendwende“ ausbreitet, nur rechtzeitig zur Verschlußsache erklärt, dann hätte man ihn wenigstens wegen Preisgabe von Staatsgeheimnissen oder Landesverrat anklagen können. Es muß die Bundeswehr-Oberen schon sehr schmerzen, daß nicht einmal das möglich ist.

Schmähling entlarvt nicht nur die Sandkastenspiele seiner Kollegen im Verteidigungsministerium als absurdes Theater, was unter gewissen Umstanden verzeihbar ist. Nein, er verunsichert sechzig Millionen Bundesbürger und nimmt ihnen jeglichen Mumm zur Verteidigung der Republik. Von Kriegsdienstverweigerern, Literaten, Pinschern und Grünen ist die Frage: „Selbstmord mit Krieg oder Überleben mit Frieden?“ sicher zu erwarten, aber von einem Offizier? Noch dazu von einem, der beim MAD gedient hat, intimer Kenner der Personallage der Bundeswehr ist und zuletzt Chef des Amtes für Sicherheit der Bundeswehr war.

Schmähling weiß, wovon er redet, auch wenn er manches etwas schludrig geschrieben hat und eine Spur zu flott formuliert. Das läßt vermuten, daß er die 300 Seiten sehr flink zu Papier gebracht hat, das Spektakel um seine Entlassung noch geschickt nutzend.

So das der möglichst weiten Verbreitung seines Anliegens dient, soll es auch recht sein. Die Geschichte der Nato aus der Sicht eines provozierenden Insiders nachzuvollziehen ist lesenswert. Erschreckend ist die Darstellung der inneren Struktur der Bundeswehr und des Ministeriums. Man wünscht sich allerdings mehr konkrete Beispiele wie dieses: „Es ist passiert, daß ein Ministerialrat dem Verteidigungsminister eine bestimmte Vorstellung als nicht durchführbar bezeichnete. Er berief sich auf einen diesem Wunsch entsprechenden Erlaß des Verteidigungsministeriums – dieser Erlaß trug seine eigene Unterschrift.“

Die Bundeswehr ist eigentlich ein bankrotter Wirtschaftsbetrieb, die Rüstungswirtschaft engstens mit der Politik und der Bundeswehr verfilzt – das ist ja oft behauptet worden. Wenn ein hoher Offizier eben dieser Bundeswehr zu dem gleichen Ergebnis kommt, hat das größeres Gewicht; ein paar handfeste Beispiele mehr hätten daher nicht geschadet.