„Ein Sofa ist ein Sofa ist ein Sofa“, murmelte meine Freundin Rita neulich, als sie niedersank und sich ihrem Laster hingab: Gertrude Stein. Die Autobiographie. Edel der Einband. Sündhaft der Preis. Eine köstliche alte Neuerscheinung in diesem Frühjahr. Rita seufzte, als sie vorsichtig die erste Seite umblätterte. Das Sofa ächzte, als sie sich zurechtrückte. Gutes Stück. Verschlissen der Bezug, rührend das Design, ein scheußlicher Wegbegleiter über Jahrzehnte. Oh Rita. Sie weiß alles, sie hat nichts verstanden. Vom DASEIN.

DASEIN ist jene Zeitschrift für das „Wohnen im Zeitgeist“, die Menschen wie Rita leider nie erreicht, weil die eben auf ihrem Sofa zu Hause liegen und alte Bücher lesen. Ein Sofa, wüßte sie sonst, ist ein Möbel und gehört als solches zu den „Bausteinen der Persönlichkeit“.

Was haben wir mit diesen Bausteinen nicht alles gemacht, fragt DASEIN streng: „Haben sie oft übertrieben eingewickelt in vertraute Gewohnheiten. Und damit nicht selten schwergewichtig erstarren lassen.“ Rita läßt das Buch sinken.

„Ist es nicht an der Zeit, die überkommenen Dimensionen das Wohndaseins aufzurechnen? Leicht zu machen? Und frei? Fröhlich und unverkrampft zu tragen, wie die Mode?“ Das Sofa zuckt zusammen.

„Wohnen muß sich nicht länger im faden Kreuz langweiliger Garnituren und behäbiger Wände entlanghangeln. Wohnen kann anders sein. Kann einfach dasein. Unmißverständlich in einem neuen Selbstverständnis. Und unwidersprüchlich.“ Es geht ums Ganze:

„Selbstverständliches sollte man nicht an vergangenen ‚Zeit-Räumen‘ orientieren, sondern unvermittelt aus dem Dasein erfahren. Jede Einrichtung steht für die Zeit, die wir alle erleben. Die wir leben.“ Lebt Rita? Nur so, sagt DASEIN:

Mit Hashira der Rundschrankskulptur. Tutus, Sohn der der Polsterfamilie Sicher-Ruhig-Geschlossen. Veritas, einer „Reminiszenz an traditionelle Einzelmöbel“. Ney-Toko, einer fernöstlich inspirierten Creation in den Maßen 210 x 170. Lamello, Sitzen in sparsamster Form („Im Berührungsbereich Holz...“).

Das Sofa weint. Och Rita.