Herr Schily, ist es nicht etwas zu kurz gegriffen, wenn Sie hier nur auf die Banane zeigen?

Dorothee Wilms, Bundesminister für Innerdeutsche Beziehungen, am DDR-Wahlabend zu Neu-Sozialdemokrat Otto Schily, der eine schmackhafte Banane mit ins Fernsehstudio gebracht hatte.

Wolfgang Clemen

Sein Vater war ein berühmter Kunsthistoriker, sein Sohn ist Theaterregisseur, er selber spielte begeistert Kammermusik, in der englischen Literaturwissenschaft hat er sich internationale Anerkennung erworben: Wolfgang Clemen, der am 16. März im Alter von 80 Jahren gestorben ist, war Anglist von Beruf und ein von der Vitalität der Kunst überzeugter Geisteswissenschaftler durch Herkunft und Erfahrung. Eine Erscheinung wie Clemen war zur Zeit seines Wirkens als Lehrer und Gelehrter (von 1946 bis 1964 war er Ordinarius in München) an deutschen Universitäten ebenso selten wie heute, da die abgeschafften Ordinarien in neuen Masken Mangelerscheinungen perpetuieren. Wolfgang Clemen, der selber bei Ernst Robert Curtius, Carl Vossler und Hugo Friedrich die hohe Schule der ganz selbstverständlich europäisch gesonnenen Literaturwissenschaft erlernt und lieben gelernt hatte (die Beherrschung von vier lebenden Sprachen galt, neben Griechisch und Latein, als minimale Basis), hat von seinen Studenten viel verlangt und ihnen viel geboten. In seinen Untersuchungen über das Werk von Shakespeare, die in den Kommentaren zu Richard III. ihren ehrgeizigen Höhepunkt fanden, hat er das Glück und den Höhepunkt seiner Arbeit gefunden: Diese Aufsätze haben nicht nur Literaturgeschichte gemacht und Theatergeschichte mitbestimmt, auch der berüchtigte interessierte Laie kann sie mit Spannung lesen und sogar verstehen.

Sehen, hören, lernen

Zum ersten und einzigen Male sind in Krakau elf „Tage der jüdischen Kultur“ angesagt – und sie sollen einzigartig werden. Unterstützt von westlichen Rundfunksendern und von der Gesellschaft für Deutsche und Polnische Kultur, gibt es vom 25. April bis zum 6. Mai eine Menge zu sehen, zu hören, zu lernen. Wissenschaftler aus Oxford, Jerusalem und Warschau werden in der Jagiellonen-Universität über jüdische (und jiddische) Kultur in Polen, Israel und anderswo referieren. Beim Jiddischen Festival im Kijow-Kino treten Musiker aus Amsterdam, Boston, Paris, Stockholm, aus Saarbrücken (Espe) und Wuppertal (Manfred Lemm & Ensemble) auf. Im Filmzentrum Mikro-Apollo werden Filme aus Polen, der UdSSR und den USA gezeigt werden, darunter „Soll sein“, ein Film von Henryk M. Broder und Frans van der Meulen über Jiddische Kultur im jüdischen Staat. Auch Theatervorstellungen und Konzerte sind angesagt und selbstverständlich auch die Besichtigung von Kazimierz, dem ehemaligen Krakauer Judenviertel – nicht zuletzt seiner Restaurierung soll der Erlös aller Veranstaltungen zugute kommen. (Auskunft und Karten über Manfred Lemm, Futterstraße 20, 5600 Wuppertal; Tel. 0202/55 94 87)

Zu heiß gepaddelt

Ein Bild des Grauens: Heftig atmend beugt sich der Architekturkritiker über einen Farbprospekt vom Wasserschloß Bensheim, der Theaterredakteur träumt vom Bühnenregen in der Schaubühne, und der Ballett-Glossist halluziniert ein Wasser-Spektakel von Pina Bausch. Ja, die Vorfrühlingshitze hat unserer kleinen Redaktion zugesetzt, die glühende Sonne von Wedel und der heiße Brei der deutschen Wahl, und schon Stunden vor Redaktionsschluß fällt uns nichts mehr ein. Da lesen wir in der taz: „Inmitten der dahinsausenden Wassermassen liegt einsam ein Rennkajak, gehalten von einem Stahlarm, um nicht ans Beckenende mitgerissen zu werden. Niels Ellwänger, mutiger Olympiasieger im Zweierkajak, entert das Boot über eine rollbare Brücke, die über Becken und Boot gefahren wird. Kaum hat sich der tapfere Kanut in die Einstiegsluke gezwängt, wird sein wertvoller Körper an einem von der Decke hängenden Gurt gesichert, damit er im Kenterfall nicht von den Fluten weggetragen wird. Noch hat er eine kurze Galgenfrist zum Warmpaddeln, dann wird es ernst: Ein elektronischer Pfiff ertönt, und wie ein Hamster im Laufrad paddelt Ellwanger mit aller Kraft gegen die stetig zunehmende Strömung an.“ Das schreibt uns aus Potsdam Michaela Schießl, die im taz-Einerkajak tapfer gegen die andrängenden Wortfluten rudert. Und wir atmen auf, denn endlich beginnt es zu regnen: Wasser!