Keine Inszenierung, eine Demonstration: Heiner Müller, Erich Wonder und Ulrich Mühe zeigen "Hamlet / Maschine"

Von Benjamin Henrichs

Heiner Müller ist Dichter, Regisseur ist er nicht. Erich Wonder ist Bühnenbildner, Bilderdichter; Regisseur ist er nicht. Jetzt haben sich die beiden Nicht-Regisseure zusammengetan, um gemeinsam Shakespeares "Hamlet" und Müllers "Hamletmaschine" im Deutschen Theater in Ost-Berlin aufzuführen.

Das Resultat ihrer beispiellosen Anstrengung ist eine Nicht-Inszenierung, allerdings von der extremen und erlesenen Art. Das Schauspiel beginnt um vier Uhr nachmittags und stirbt um Mitternacht. In dieser Zeit hätte der Kritiker/Zuschauer/Mensch auch etwas anderes tun können, als im Theatersessel zu sitzen und darin langsam, aber unaufhaltsam zu versinken. Acht Stunden: Das wäre Zeit genug gewesen für ein Buch, oder zwei Filme, oder drei glücklich bestandene Abenteuer. Dahin.

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Die Bühne liegt wie im Dunst, ein grauer Schleier bricht den Blick. Am Horizont erkennt man vage das Meer und die Brandung. In der Mitte der Bühne ist (wieder einmal) eine Grube, ein Wasserloch. Durch einen steilen, verschleierten Schacht tritt ein nackter Krieger auf die Bühne – das muß der Geist von Hamlets Vater sein.

Dänemark, der Staat, ist nicht nur faul, sondern offenbar auch nicht ganz dicht: Unaufhörlich tröpfelt Wasser auf das freudlose Eiland der Bühne.