Belastungen durch die Vergangenheit, so nennt er sein Problem, Vergangenheitsbewältigung im üblichen Sinn bat nichts damit zu tun. Er hatte nämlich einen Vater, der ein Teil jener Vergangenheit war, die andere bewältigen sollten. Einziger Sohn eines Kommunisten ist er, der im KZ zuletzt in die Schreibstube abkommandiert worden war, wo er bestimmte Akten von einem Stapel unter den anderen schob; auf diese Weise wurde er zum lebensverlängernden Arm mancher Mithäftlinge und fragte sich später, warum kein Historiker festgehalten hatte, daß Kommunisten die zuverlässigsten Häftlinge für alle Häftlinge gewesen sind.

1948 in Berlin geboren, sein Vater hatte die Witwe eines Mithäftlings geheiratet, ging es mit dem Vater nach oben. Er mußte Ämter bekleiden, nannte seine Büros aber immer nur Schreibstuben, und Kommandos sollte er geben. Die gängigen Parteiparolen kanzelte er mit der Parole ab, mit der er seinen Weg bei Aufmärschen gegangen war, die Sozis hatten sie auch auf ihren Umzügen dabei: „Links ist, wo das Herz ist.“ Seinem Vater wurde, wie er selber eingestand, sein Eigensinn zum Verhängnis, darunter fielen auch Schmerzen und Gebrechen, die er nie ernst nehmen wollte; er hatte sie aus dem KZ mitgebracht. Daran starb er, und seine Frau folgte ihm, als hätten sie das vorher verabredet.

Und er, der Sohn, wollte irgendwie seinem Vater nacheifern, trat im Westen der DKP bei, die SED stimmte zu, und er sah sich schon als ihren verlängerten Arm. In Arbeitervierteln leistete er Überzeugungsarbeit, in der Schreibstube verfaßte er Konzepte, aber „Links ist, wo das Herz ist“ wurde als Schummelparole abgetan... Bei den Sozis mußte er erst Basisarbeit leisten, sich bewähren, Kontakte suchen, von seinem Vater berichten und seine Ostkontakte ausbauen und nicht vernachlässigen.

Bei den Grünen half ihm auch die Berufung auf seinen Vater, da kam er sogar voran, sympathisierte aber mit den Realos und setzte wieder die Parole vom Herzen ein. Ihr ganzer Singsang von links und grün trieb ihn allmählich zurück in die Erinnerungen. Von dem Mittelstück ließ er jedoch nicht ab, die Alt-Parole: „Links ist, wo das Herz ist“ soll es bleiben. Denn was heißt: Ganz links, Mitte-Links, Grün-Links oder Rot-Grün? Sein Links-Verständnis erfüllt sich ohne Programm und Parteispitzen, ebenso ohne Gott und eine Umwelt, die nie ein Paradies sein wird.