Dortmund

Die Stadt hat eine Attraktion, die im Bundesgebiet ihresgleichen sucht: eine Baustelle, die man für eine Mark Eintritt besuchen kann, kundige Führung inklusive. Die Baustelle ist der Westfalenpark, Schauplatz der Bundesgartenschau 1991. Noch läßt sich nicht erahnen, wo auf dem siebzig Hektar großen Gelände demnächst etwas blühen soll. Auf unbefestigten Wegen wandern Besucher zwischen Geröllhalden, aufgetürmten Gullydeckeln, Kanalrohren und Bauzäunen. Wo im nächsten Jahr der „Ahorn-Farn-Garten“ und der „Blumenhartriegel-Eisenhut-Garten“ Entzücken auslösen sollen, stehen Bagger und Baucontainer.

So sind die sonntäglichen Führungen durch den Park vor allem als „Goodwill-Tour“ zu verstehen. Man wolle allen Interessierten die Gelegenheit geben, die gärtnerischen Maßnahmen Schritt für Schritt mitzuverfolgen, sagt Walter Engelberg, der technische Leiter der „Buga“. Goodwill scheint auch dringend notwendig, bislang war die Vorbereitung der Schau vor allem Krisenmanagement: Eine planerische Panne und Peinlichkeit reihte sich an die andere, und das einzige, was gut wächst, ist die Rechnung.

Anfangs galten die Proteste der gartenbautechnischen Linie der Buga. Walter Engelberg, Pensionär und vormals Leiter des städtischen Grünflächenamtes, geriet in die Schußlinie, als er 450 Bäume abholzen wollte (was inzwischen auch geschehen ist). Kritiker werfen ihm sein konservatives Bild von Garten- und Parkkultur vor. Richard Kelber, der für die Dortmunder Grünen in der Buga-Gesamtleitung sitzt, erwartet eine „urtraditionelle“ Schau, eine „Werbeveranstaltung für den Gartenbau“. „Viele bunte Blumen, ein bißchen Kaffee und Kakao und ein Spielplatz – von Ökologie kann da keine Rede sein“, sagt Richard Kelber. Walter Engelberg dagegen wünscht sich die Buga als „einen Katalog im Maßstab 1 : 1“ für den Hobbygärtner. „Wir wollen zeigen, wie man heute einen Garten ökologisch, aber auch für die Familie nutzbar herrichtet.“ Mit dem „abstrakten Konzept“ der Frankfurter Buga, wo es zum Beispiel einen „Computergarten“ oder einen „Garten der Lüste“ gab, könne er nichts anfangen. Selbst seine Baumfällaktion rechtfertigt er ökologisch. „Der Park ist dreißig Jahre alt. Da waren jetzt Eingriffe notwendig.“

Ende 1986 sprang Dortmund auf Wunsch des verantwortlichen Zentralverbandes Gartenbau ein, nachdem Berlin und Mönchengladbach ihre Bewerbung zurückgezogen hatten. Obwohl schon damals Kritiker warnten – üblich sind Planungszeiten von mindestens zehn Jahren –, setzte sich die SPD-Ratsmehrheit durch. Sie witterte eine Gelegenheit Dortmunds Image zu vebessern. Heute sehen die Kritiker von damals ihre schlimmsten Befürchtungen übertroffen.

Einmalig in der vierzigjährigen Geschichte der Bundesgartenschauen ist wohl die Tatsache, daß bis auf den heutigen Tag kein Gesamtkonzept existiert. Man hat den Park in Zonen eingeteilt, die von je einer Architektengruppe gestaltet werden. „Gespräche zwischen den Gruppen finden nicht mehr statt“, räumt Walter Engelberg ein, „dafür fehlt die Zeit.“

Insgesamt arbeiten dreißig verschiedene Firmen und Baukolonnen im Park nebeneinander her und kommen sich immer wieder in die Quere. Das gesamte Kanalnetz muß saniert werden, und die Post nutzt das Durcheinander, um eine Glasfaserstrippe zu verlegen.