Rechner einschalten, Betrag eintippen, und der Computer beginnt zu spekulieren. Der Anleger indes schaut betreten zu oder widmet sich still seiner Morgenzeitung. Am Abend spuckt der Drucker ein paar Zahlen aus, und der Anleger erfährt, ob sein Computer heute mit Gewinn oder Verlust operiert hat.

Moderne Computerprogramme verwalten heute nicht nur die Vermögen von Banken, Investmentfonds und anderen Institutionen, sondern analysieren auch das Wertpapierdepot des kleinen Mannes. Mehr noch: Aus Tausenden von Wertpapieren suchen sie interessant erscheinende Titel aus und – möglich ist dies bereits – erteilen selbständig Kauf- und Verkaufsaufträge. Gewinne auf Knopfdruck scheinen – um im Jargon zu bleiben – vorprogrammiert.

Der automatische Reichtum ist damit längst noch nicht garantiert. Computer sind zwar hervorragende Zahlenkünstler, die in Sekundenschnelle Aktienkurse nach komplizierten Formeln, etwa aus der Charttechnik, untersuchen können, die „psychologische Stimmung“ an der Börse können sie jedoch noch nicht ermitteln. Solange menschliche Intuition letztlich über das Auf und Ab der Kurse entscheidet, solange können Bits und Bytes keine treffsicheren Entscheidungen fällen. Nachgewiesen ist mittlerweile allerdings, daß die Kauf- und Verkaufsempfehlungen von Computerprogrammen eine relativ hohe Trefferquote aufweisen: Der Börsenkrach des Jahres 1987 ist von vielen Programmen rechtzeitig erkannt worden, und auch beim sogenannnten „Mini-Crash“ vom Oktober 1989 warfen viele Programme frühzeitig Verkaufssignale aus. Zwischen vierzig und achtzig Prozent liegt die Verläßlichkeit der Programme heute, und die Neuvorstellungen auf der Computermesse CeBit lassen die Zukunftsaussichten durchaus günstig erscheinen. Noch höhere Quoten werden übrigens in den Vereinigten Staaten erreicht: Die Rechner sind darauf programmiert, laufend selbständig auch kleinste Kursdifferenzen zwischen mehreren Börsenplätzen zu ermitteln und durch sogenannte Arbitrage-Geschäfte ihren „Herren“ Gewinne einzufahren.

Hierzulande empfiehlt es sich vorläufig noch nicht, die Signale aus dem Computer als alleinige Basis einer Anlageentscheidung zu nehmen. Vorteile bietet der Computereinsatz dennoch: So sind die heute angebotenen Rechner in der Lage, Abertausende von Zahlen innerhalb von Sekundenbruchteilen zu sortieren und zu analysieren, sie können Kurscharts darstellen oder – dies wird heute immer wichtiger – dem Anleger eine Übersicht über das eigene Depot unter Berücksichtigung aktueller Börsenkurse geben. Den gefürchteten Zettelkasten, bestehend aus Dividenden- und Zinsbelegen, Kauf- und Verkaufsabrechnungen sowie Depotauszügen, können Anleger mit Computerhilfe in den Griff bekommen: Das Programm sortiert die Buchungen und liefert Aufstellungen, fein säuberlich getrennt nach Steuerpflicht und Steuerfreiheit. Auch für die deutsche Terminbörse gibt es bereits Programme, die vollautomatisch alle gehandelten Optionspreise gegenüberstellen und interessante Kombinationen – von „Straddle“ bis zum „Butterfly“ – auswerten.

Der Einstieg in das elektronische Zeitalter erfordert für Anleger heute weder einen erheblichen Kapitaleinsatz noch umfangreiche Kenntnisse im Bereich der Elektronik: Geeignet zur persönlichen Vermögensverwaltung mittels Computer sind alle gängigen Heim- oder Personalcomputer, wobei die Programmpalette in diesem Bereich für IBMkompatible Geräte weitaus größer ist als etwa für den Apple Macintosh oder den Atari. Kenner raten dazu, einen schnellen AT einem langsameren Gerät aus der XT-Generation den Vorzug zu geben; eine Festplatte sollte ebenfalls nicht fehlen. Weiterhin erforderlich ist ein Programm, von Experten als Software bezeichnet. Gerade hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan: Nicht nur, daß die Zahl der im Handel angebotenen Programme allein für die Depotverwaltung und Aktienanalyse von etwa zehn im Jahr 1985 inzwischen auf über siebzig gestiegen ist, auch der Bedienungskomfort wurde deutlich erweitert. Mußten Anleger vor wenigen Jahren noch die aktuellen Börsenkurse von Hand aus der Tageszeitung in den Rechner eintippen, so wurde der Datenfluß mittlerweile automatisiert. Wird der Rechner beispielsweise Btx-tauglich gemacht – das kostet heute weniger als 500 Mark –, können schon für monatlich fünfzehn bis dreißig Mark sekundenaktuelle Börsenkurse quasi live von der Anzeigentafel im Börsensaal in den eigenen Computer geholt werden. Das Brokerhaus Hornblower + Fischer – im Btx-Bereich besonders aktiv – offeriert daneben aber auch die Kurse aller an der Wall Street notierten Papiere sowie die Kurse zahlreicher anderer Börsenplätze. Neben Btx können Börsianer aber auch Datenbanken mittels Akustikkoppler oder Modem „anzapfen“, ein Frankfurter Unternehmen bietet gar schon die Kursverbreitung über Satellit an.

Die Preise der Computerprogramme erweisen sich als relativ stabil: Einfach konzipierte Verwaltungsprogramme, die einen schnellen Überblick über das eigene Depot ermöglichen und die Erträge auch gleich unter steuerlichen Gesichtspunkten aufbereiten können, gibt es bereits zu Preisen ab hundert Mark. Für ein komplexeres Analyseprogramm, das beispielsweise die Kurscharts einiger hundert Papiere auf Abruf bereithält und meist auch konkrete Kauf- und Verkaufssignale anhand charttechnischer Grundregeln auswirft, muß man zwischen 500 und etwa 1500 Mark kalkulieren. Da es ein Universalprogramm, das die Ansprüche jedes Anlegers gleichermaßen gut erfüllt, nicht geben kann, raten Experten zum Kauf einer sogenannten Demo-Version: Es handelt sich um Testprogramme, die etwa bei der Kurserfassung eingeschränkt sind, aber sonst alle Funktionen bereits enthalten. Damit kann der Anleger einerseits die Lauffähigkeit des Programms auf dem eigenen Rechner testen, andererseits sieht er, welche Möglichkeiten ihm die Software bietet. So zeichnet sich etwa das von der Münchner Firma BKD-Kommunikation herausgegebene Programm Proinvest durch das schnelle Einlesen von über tausend Börsenkursen innerhalb von nur zwanzig Sekunden aus der hauseigenen Datenbank aus, während etwa das vom Verlag Neue Wirtschaftspresse angebotene Programm Winchart besonderen Wert auf eine saubere und vielfältig analysierbare Chartdarstellung legt.

Die angebotenen Programme beschränken sich jedoch nicht allein auf die Börsenkurse und die Vermögensverwaltung. So hat sich etwa die Aachener Profi-Partner-GmbH mittlerweile zu einem der Marktführer für die automatische Bildschirmtext-Abwicklung gemacht: Über ein gemeinsames Programm kann der Anwender nicht nur Börsenkurse aus unterschiedlichen Datenquellen abfragen und – auch für viele andere Programme verwendbar – aufbereiten, sondern etwa auch den elektronischen Bildschirmtext-Briefkasten leeren, Fernschreiben empfangen und versenden oder aber – was zunehmend an Bedeutung gewinnt – die persönliche Kontoführung verwalten. Auf Wunsch sogar zeitgesteuert, wählt sich der Rechner in das Btx-System der Post ein, ruft die gewünschten Daten ab, tätigt per Termin vorgemerkte Überweisungen und trennt die Verbindung danach wieder. Ein manuelles Zutun ist nicht mehr erforderlich. Der Rechner muß lediglich auf Bereitschaft geschaltet werden. Neben Selbständigen und Freiberuflern nützen derartige Programme, die auch von Banken und Sparkassen angeboten werden, auch zunehmend mehr Privatpersonen: So kann beispielsweise ein preisgünstig geführtes Girokonto gewählt werden, auf Wunsch nimmt der Rechner einen vollautomatischen Saldenabgleich vor, und der Weg zu einem intelligenten – auch im privaten Bereich durchaus sinnvollen – „Cash-Management-System“ ist von da an nicht mehr weit. Solidus