Köln

Frauen sind gut zur Dekoration. Sie gelten als weniger gut, wenn’s zur Sache geht und um ein bißchen Teilhabe an der Macht.“ Das sagte Etta Schiller vorige Woche vor versammelter Mannschaft des CDU-Kreisparteitages. Die 56jährige wollte Verwaltungschefin der viertgrößten westdeutschen Stadt werden und wäre damit die erste Frau in der Republik gewesen, die das Amt eines Oberstadtdirektors innegehabt hätte.

Doch Etta Schiller, Leiterin des Finanzamtes Köln-Süd und Ex-Ehefrau Karl Schillers, verhedderte sich im kölschen Klüngel der CDU.

So blieb ihr nur noch, die „Chronik einer weiblichen CDU-Kandidatur für das Amt des Oberstadtdirektors“ dem Parteivolk vorzutragen.

Daß die geschiedene Protestantin mit einem nichtehelichen Sohn nicht gerade dem Kandidatenbild der katholisch-konservativen Klientel der Christdemokraten entsprach, störte die Unionsmänner wenig, als Etta Schiller vergangenen Sommer aufgestellt wurde. Bei der Kommunalwahl im Oktober 89 sollte die „dynamische und kreative Verwaltungsfachfrau neue Akzente setzen“ und der Stadt „gute Wege in die Zukunft“ weisen.

Etta Schiller folgte treu den Vorgaben der CDU-Männer: „Wie gewünscht, hielt ich mich bescheiden im Schatten des politischen Spitzenkandidaten. Nur auf dessen Wunsch trat ich an seine Seite.“ Lediglich zu Frauenfragen habe sie sich politisch äußern dürfen, und dies auch erst „auf meine Bitte“.

Die katastrophale Wahlniederlage der CDU ließ alle Träume platzen. Die CDU suchte nun wieder Kontakt zur SPD, wozu sie jedoch erst mal ihre so laut gepriesene Kandidatin loswerden mußte. Denn mit den Sozialdemokraten war nur ein Geschäft zu machen, wenn die CDU dem SPD-Kandidaten fürs oberste Verwaltungsamt die fehlenden Stimmen lieferte.