Europas kleine Länder legen sich mit den Autofahrern an. Sie wollen den Verkehr beruhigen und ihre Landschaft schützen.

Allen voran schreiten die Eidgenossen. Sie haben es am 1. April in der Hand, mittels Volksabstimmung der Zubetonierung ihrer schönen Alpenrepublik Einhalt zu gebieten, die Verkehrsfläche auf dem Stand von 1986 einzufrieren und drei geplante Autobahnteilstücke zu verhindern. Die helvetische Autolobby schlägt freilich wacker eine Abwehrschlacht: "Unsinnig, absurd, unverständlich und inakzeptabel!" seien die Volksbegehren.

Verkehrsminister Adolf Ogi malt dagegen das Bild von der Kanalisierung des Verkehrs durch "landschaftsschonend zu bauende" Schnellstraßen und preist deren höhere Verkehrssicherheit. Könne man Parteien, halten die Auto-Fetischisten dagegen, die solch grünen Fundamentalismus unterstützen, überhaupt noch ernst nehmen? Schließlich seien erst zwei Prozent der Fläche des Landes zugepflastert.

Die Wogen schlagen hoch. "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten", entgegnen die Befürworter des Baustopps. Heute schon diene fünfmal mehr helvetischer Boden dem Verkehr als dem Wohnen. Und mit 1486 Autobahnkilometern sei die Schweiz – bezogen auf ihre Fläche – ohnehin Weltspitze. Tatsächlich wächst der Unmut der Eidgenossen gegen neue Straßen, wird der Druck, auf die Bremse zu treten, immer größer.

Den Straßenverkehr binnen weniger Jahre um ein Fünftel verringern will die holländische Regierung. "Deswegen müssen wir den Autofahrern in die Brieftasche greifen", meint Verkehrsministerin Hanja Maij-Weggen. Jeder Lenker eines Wagens soll künftig eine Vignette kaufen, die an über das Land verteilten Zahlstellen automatisch entwertet wird. Als Alternative bietet die Ministerin eine für begeisterte Automobilisten kaum weniger schmerzliche Verdoppelung des Benzinpreises an.

Auch die holländischen Anhänger der Losung "ich fahre, also bin ich" schreien empört auf. Die Liberalen, die bereits eine Regierung stürzten, weil sie die Aufhebung von Steuerabzügen für Autopendler nicht mittragen wollen, prophezeien jetzt eine ökonomische Katastrophe. Gefochten wird ohne Bandagen: Frau Maij-Weggen sei keine überzeugende Grüne, weil sie schon selbst zwei Autounfälle verursacht habe, höhnen ihre Gegner.

Mautstellen an den Stadttoren sollen Norwegens Städte, vor allem Oslo und Bergen, vor dem Ersticken bewahren. Dort muß jeder Autofahrer, will er in die Innenstadt gelangen, vorab einen Obolus entrichten. Merkwürdig bei dieser Zufahrtsbeschränkung, die autobegeisterte Norweger als "moderne Form der Wegelagerei" verunglimpfen, ist freilich, daß die Einnahmen nicht dem Ausbau des öffentlichen Überlandverkehrs, sondern ... dem Bau städtischer Straßen dienen.