München

Nur elf Monate nach ihrer Gründung im Münchener „Löwenbräukeller“ will sich die offizielle Studentenorganisation der Republikaner Mitte April selbst auflösen. Damit ist der erste Versuch der rechtsextremen Partei, an den Hochschulen Fuß zu fassen, überraschend schnell gescheitert.

„Intellektualisierung der Partei“, lautete das Zauberwort, mit dem der „Republikanische Hochschulverband“ seit Mai 1989 auf Mitgliederfang in Hörsälen und Instituten gegangen war. Schönhuber verband damit die Hoffnung, die Republikaner vom Image der ungebildeten Stammtischler zu befreien. Der rechten Studentengruppe sicherte der Parteichef personelle Mitbestimmung und Mitwirkung am neuen Bundesprogramm zu.

Glaubt man Alexander von Schrenck-Notzing, dem RHV-Vorsitzenden, so hatte sein Verband eigene Akzente setzen wollen. Die neugeworbenen Nachwuchsakademiker sollten den „gemäßigten nationalkonservativen Flügel der Partei“ stärken. Ziel: Eine Koalition mit der CSU nach den bayerischen Landtagswahlen im Herbst dieses Jahres.

Der rauhe innerparteiliche Umgangston holte die Studenten schnell auf den Boden der Tatsachen: Die gemäßigte Kieler RHV-Ortsgruppe wurde aus der Partei ausgeschlossen, das neue Programm ohne die Studenten formuliert. Anfang des Jahres bezeichnete Schönhuber den Versuch der „Intellektualisierung“ als „großen Fehler“, nur mit der „Masse des Volkes“ sei der Sieg zu erringen. „Und wenn die Partei hemmungslos gegen Aus- und Übersiedler, Gastarbeiter und Asylanten hetzte“, so Schrenck-Notzing, „brauchten wir an den Unis den Mund erst gar nicht mehr aufzumachen.“

Beim politischen Kontrahenten findet seine Version von den „enttäuschten toleranten Studenten, die die bösen Radikalen verlassen“ (eine Sprecherin der SPD-nahen Juso-Hochschulgruppen) aber kaum Glauben. Linke wie konservative Studentengruppen nennen als Grund für das schnelle Aus schlicht die Erfolglosigkeit des Verbandes. Die Mitgliederzahl des RHV blieb mit 250 Aktiven weit hinter hochgesteckten Erwartungen zurück. Bei den Gremienwahlen dieses Winters konnte der RHV an keiner Hochschule mit eigenen Kandidaten antreten (DIE ZEIT 8/90). Dennoch glaubte RHV-Vorständler Hans-Ulrich Kopp noch im Januar, die Republikaner könnten in den nächsten Jahren bis zu zehn Prozent der Studenten gewinnen – was Schrenck-Notzing heute für eine „totale Illusion“ hält.

Der enttäuschte RHV-Funktionär ist inzwischen zur CSU übergetreten, ein Schritt, den er „allen vernünftigen Konservativen bei den Republikanern“ empfiehlt. Daß Mitte April zwei Drittel der RHV-Mitglieder für die Selbstauflösung stimmen – wie es die Satzung verlangt –, steht für Schrenck-Notzing außer Frage: „Wir sind alle auf Schönhuber hereingefallen.“ Marco Finetti