Kaum eine bundesdeutsche Partei, das muß hier einmal verlautbart sein, hat so viele brillante, fabelhafte, ja geradezu kluge Köpfe wie die F.D.P. Schon rein relativ. Möllemann, Lambsdorff, Engelhard, Haussmann ... der Kenner genießt und schweigt.

Auch in unserer neuen Hauptstadt am Grunewald enthüllte sich in den letzten Wochen wieder einmal die allein zukunftsfähige Innovationspotenz der Freisinnigen. Ihr stellvertretender Vorsitzender dort zum Beispiel, Professor Stölzl, unseren Lesern wohlvertraut als das Phantom der geplanten Geschichtsoper im Spreebogen, findet schon gar keine Abieiter mehr für all seine Geistesblitze. So machte er erst kürzlich, wie wir der L.D.P.-Postille Der Morgen entnehmen, Ostberliner Parteifreunden den atemraubenden Vorschlag, den Palast der Republik abzureißen und dort das alte Stadtschloß wieder zu errichten, samt „Hotel Adlon“ natürlich. Außerdem brauche Berlin (wir zitieren den Morgen) „kreuzungsfreie Schnellstraßen“ und, um „das Höhenwachstum der City zu fördern“, „Wolkenkratzer auf dem Tempelhofer Feld“.

Nun beweist Professor Stölzl mit Visionen dieser Art zwar vorderhand nur echte Museumsreife, indes scheint es doch nicht ganz ausgeschlossen, daß ihm dabei insgeheim Höheres vorschwebt.

„Durchbruch zu neuen Ideen“, hatte Der Morgen frohgemut die Wiedergabe von Professor Stölzls Referat übertitelt, und das legt allerdings die Vermutung nahe, daß da noch ganz andere Schallmauern zu Bruch gehen werden. Denn warum zum Beispiel sollte man das Schloß, wenn man es denn neu baut, leer stehen lassen? Müßte hier dann nicht auch eventuell so ein Kaiser, braucht ja nur ein kleiner, so ein ganz klitzekleines Kaiserchen ... Ja, warum eigentlich nicht? Nur: Die Hohenzollern kann man, klarer Fall, wirklich niemandem mehr zumuten. Aber wie wäre es denn mit, nun, zum Beispiel mit den Stölzln? Klingt doch irgendwie gut: Stölzl I., Stölzl IV. und so weiter, die weibliche Erbfolge wäre natürlich ausgeschlossen.

Schade, schade allerdings, daß der Professor dann die F.D.P. verlassen müßte. Und diesen Verlust, das sei ihr ehrlichkeitshalber prophezeit, wird diese Partei wohl kaum überleben! Finis