Von Péter Esterházy

Nun hat es doch ein Ende gefunden... Seien wir ein wenig gerührt. Das „real Existierende“, in dem niemand und nichts real existierend war – ich glaube, gerade das war das Bedrohliche –, hat ein Ende gefunden... Hätte meine liebe Mutter das noch erleben dürfen ...

Jetzt, in dieser feierlichen Stunde möchte ich die Aufmerksamkeit meines Landes zum tausendsten Mal auf ein unumgängliches Problem lenken, das wir augenscheinlich mit viel Aufwand umgehen: Wir müßten als neue Arme im neuen Europa ein neues Land errichten. Das fragliche Problem könnte man so zusammenfassen, daß hier alles neu ist, nur wir sind die Alten. Alles ist neu, aber die Donau bleibt.

Und das werde ich jetzt auseinanderlegen, wie es einem Mitteleuropäer gebührt.

Solange die Russen hier waren – die Russen gebrauche ich an dieser Stelle einem alten kollektiven Wunsch entsprechend als Metapher, als Zeichen für dieses ganze Ding nach 1945 –, haben wir alles Schlechte in diesem Land ihnen in die Schuhe geschoben, und das nicht ohne Grund. Jetzt sind sie, sozusagen, weggegangen (sie sind am Gehen). Vieles haben sie zurückgelassen, vor allen Dingen uns. Sie sind gegangen, und wir sind hier allein zurückgeblieben. Wie gut, seufzen wir. Dann schauen wir uns um und fühlen uns zwar sehr wohl zu Hause, dieses ist unser Land, aber gut ist das nicht.

Herausgestellt hat sich, was wir bisher schon wußten, ohne daran denken zu wollen, daß ein System nicht an jedem Blödsinn schuld ist. Daß es sich schwieriger verhält. Daß sich hier im Laufe der langen Jahre durch eigene Kraft, durch viel menschliches Leid, durch Bedrohung, Unterwürfigkeit, Bitterkeit und durch die Tränen ein riesiger Berg von parteienunabhängigem Blödsinn angesammelt hat!

Für diesen Blödsinn will aber niemand verantwortlich zeichnen. Ich möchte daher ganz entschieden um die Aufmerksamkeit der alten und neuen Führungskräfte dieses Landes bitten, da ein so herrenloser, kollektiver Blödsinn sehr gefährlich ist, er könnte explodieren, vor allem aber wird er faulen, und im betreffenden Land entsteht dann ein Gestank, daß dort Glückliche und Unglückliche gleichermaßen fliehen müßten.