Die Zweifel sind ausgeräumt, das Getuschel sollte aufhören. Was hatten sich die EG-Partner bloß für Sorgen gemacht? Einige sahen Bonn nur noch mit der Wiedervereinigungsarbeit beschäftigt; andere entdeckten die einigungstrunkenen Deutschen schon im europäischen Bremserhäuschen; ganz Ängstliche wähnten bereits ein „Viertes Reich“ im Anmarsch. Nun sollten sie alle wieder ruhig schlafen können, denn der Kanzler hat ihnen die nötigen Beruhigungspillen verabreicht.

Nach vielen ernüchternden Erfahrungen wird niemand, weder hierzulande noch anderswo, Helmut Kohl mit einem geborenen Diplomaten verwechseln. Für ein mannhaftes Wort aber ist er immer gut. Mit seinem Klartext vor der Brüsseler Kommission am vergangenen Freitag hat er Bonns europapolitische Ziele eindeutig abgesteckt. Es bleibt beim deutschen Engagement in der Gemeinschaft und beim Plazet für die Wirtschafts- und Währungsunion. Damit gar keine Ungewißheiten aufkommen, hat sich der Bundeskanzler auch gleich noch drängend zur Vollendung der EG in der politischen Union bekannt. Und das alles gleichzeitig mit dem mühseligen und teuren Zusammenfügen der beiden deutschen Staaten? Nur ein Mann mit Kohls breiten Schultern kann glaubhaft versichern, die doppelte Last zu meistern.

Das Europa-Bekenntnis kommt zur richtigen Zeit. Die Welt weiß nun, wo die Deutschen auch in Zukunft ankern wollen. Bremser wie Margaret Thatcher können sich nicht hinter erhofften Bonner Unverbindlichkeiten verstecken; wer den Zug zur europäischen Einheit anhalten will, muß die Signale schon eigenhändig auf Rot stellen. Auch für den deutschen Hausgebrauch sind die europäischen Prioritäten noch einmal klipp und klar benannt worden. Die Richtung des Kanzlers stimmt. Jetzt muß er sie nur unbeirrt einhalten. D.B.