Wenn in diesen Tagen manch westdeutscher DDR-Reisender bitter beklagt, wie schnöde doch „die Kommunisten“ drüben oft mit alten Bauten, mit Domen und Schlössern umgegangen seien, dann möge man sich doch daran erinnern, daß auch hierzulande die freien Marktwirtschaftler recht munter gewütet haben. Vom neugotischen Rathaus der Stadt Essen zum Beispiel, das wunderbarerweise die Bombennächte der letzten Kriegsjahre überstanden hatte, ist nur dieses Bild geblieben: Essens sogenannte Stadtväter haben den schönen Bau in den sechziger Jahren an einen Kaufhauskonzern verscherbelt und zum Abriß freigegeben. Nur ein Fall von vielen im Ruhrgebiet, einer Region, die wie kaum eine andere in Westeuropa ihre eigene Geschichte ausgelöscht hat. Diese Erfahrung mußten auch Ludger Fittkau und Angelika Schlüter machen, die sich auf die Suche nach den Orten begaben an denen vor nun genau siebzig Jahren der „Ruhrkampf“ tobte – jener Aufstand roter Arbeitermilizen, die im Frühjahr 1920, als Reaktion auf den Berliner Kapp-Putsch, eine sozialistische Republik erzwingen wollten und schon bald vor Reichswehrverbänden und Freikorpseinheiten kapitulieren mußten. Die beiden jungen Heimaldetektive haben eine ganze Reihe von Örtlichkeiten und steinernen Zeugnissen gefunden und sie in einem spannenden, lehrreichen „politischen Reiseführer“ notiert, der gerade, unter dem Titel „Ruhrkampf 1920“, im Klartext-Verlag, Essen, erschienen ist (211 Seiten, 16,80 DM). Das Buch, das mit vielen Bildern und Karten zum zeithistorischen Lokaltermin in Duisburg, in Essen, Bottrop oder Wesel einlädt, erscheint just rechtzeitig zu einer Veranstaltungsreihe in Essen über „Die vergessene Revolution im Ruhrgebiet“. Wer das Programm erfahren möchte (zu dem auch eine Ausstellung gehört, die am 9. April im Kulturforum Essen-Steele eröffnet wird), der wende sich an Ludger Fittkau, Radioverein Neue Essener Welle, Hömannstr. 10, 43 Essen 12, Tel. 0201/36 72 72 oder 35 75 85. B.E.