Die gegen die Sandinisten kämpfenden Contras haben sich am vergangenen Wochenende bereiterklärt, noch vor dem 25. April ihre Waffen niederzulegen; an diesem Tag übernimmt Violeta Chamorro das Präsidentenamt von Daniel Ortega. Ein entsprechendes Abkommen wurde in Honduras unterzeichnet; als Vermittler und Garant fungierte Erzbischof Kardinal Obando y Bravo.

Damit scheint eines der größten Hindernisse für einen friedlichen Machtwechsel beseitigt. Die Contra-Kämpfer, die sich in Honduras aufhalten, werden dort entwaffnet. Die 4000 bis 6000 Kämpfer auf nicaraguanischem Boden sollen sich in Gebieten einfinden, die von internationalen Beobachtern der Vereinten Nationen bewacht werden. Was mit den etwa 20 000 Angehörigen der Contra geschieht, die über die Grenze geflohen sind, bleibt offen: Sie dürfen zurückkehren, aber sie unterzubringen und für sie Arbeit zu finden bereitet Schwierigkeiten.

Präsident Ortega begrüßte das Ergebnis, warnte aber, nicht alle Contra-Führer hätten es unterschrieben. Das gegenseitige Mißtrauen ist noch groß. Die Sandinisten haben durchgesetzt, daß die Bevölkerung ihre Waffen behalten darf; wie es heißt, sind in den vergangenen Tagen sogar Waffen aus Armeebeständen verteilt worden. Und der Abbau der überdimensionierten Armee, wie von den Wahlsiegern verkündet, findet jetzt Kritik nicht nur bei den Soldaten.

Eine andere Sicherung haben die Sandinisten noch mit ihrer Parlamentsmehrheit durchgesetzt. Die sandinistischen Politiker erhalten nicht nur eine Rente in Höhe der Bezüge, die ihre Nachfolger im Amt bekommen; sie genießen auch für ihre Tätigkeit eine rückwirkende Immunität, die von der konservativen Mehrheit nicht aufgehoben werden kann. Dasselbe gilt für die Justiz und die Spitzen des Militärs.

Das nicaraguanische Beispiel hat, nach massivem Druck aus Washington, nun auch Nachahmung in El Salvador gefunden. Regierung und Rebellen wollen ab April kontinuierlich verhandeln. Beide Seiten haben ihre bisherigen Vorbedingungen abgemildert.

Ob der Friedensprozeß gemäß dem Arias-Plan nun in allen Ländern Zentralamerikas weitergeht, soll ein mittelamerikanischer Gipfel klären, der spätestens im Frühsommer stattfinden muß. Zumindest ein Land wird dann in die Schlagzeilen geraten. Die Verhältnisse in Guatemala haben sich auch unter der demokratischen Regierung nicht verbessert, nach Informationen vieler Menschenrechtsgruppen eher dramatisch verschlechtert. Der Arias-Plan setzt voraus, daß die Regierungen ihre Sicherheitskräfte unter Kontrolle bringen. In Nicaragua hatten die Sandinisten damit keine Schwierigkeiten, in El Salvador und Guatemala steht diese Bewährungsprobe noch bevor. bi