Die neue Regierung muß nach den Wahlen die Mißwirtschaft beenden

Von Bernd Loppow

Immer, wenn es windstill ist, legt sich der braune Schleier von nefos über Athen Doch die Smogwolke aus Industrieausdunstungen und Autoabgasen, die das Atmen zur Qual macht, wird von den Griechen derzeit kaum beachtet Sie haben andere Sorgen Seit Mitte vergangenen Jahres, als der seit 1981 regierende Populist Andreas Papandreou abgewählt wurde, herrscht in Griechenland ein politisches Patt Das wohl schwächste Mitglied der Europaischen Gemeinschaft steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, hat aber keine handlungsfähige Regierung mehr Als interimistischer Premierminister fungiert der 85jährige Ex-Zentralbankchef Xenephon Zolotas Am 8 April werden die Griechen nun zum dritten Mal innerhalb von zehn Monaten an die Wahlurnen gebeten

Das Volk freilich hat kein Vertrauen mehr in die Politiker Die sozialistische Mißwirtschaft bescherte den Griechen eine Inflationsrate von 17 Prozent, dreimal so hoch wie im EG-Durchschnitt Das Defizit des Staatshaushaltes erreichte allein 1989 die Hohe von 22 Prozent des Sozialprodukts Erstmals war die akkumulierte Staatsverschuldung hoher als das gesamte Volkseinkommen Die Wirtschaft wuchs um nicht einmal zwei Prozent Hinzu kommt ein Leistungsbilanzdefizit von umgerechnet fast fünf Milliarden Mark

Herbe Kritik setzt es von allen Seiten Der Vorsitzende des Wahrungsausschusses der Europäischen Gemeinschaft, Mario Sarcinelli, mahnte in einem erst jetzt veröffentlichten Schreiben bereits Ende vergangenen Jahres, daß die ungebremste Talfahrt nicht etwa auf ungünstige ökonomische Bedingungen, sondern auf politisches Versagen zuruckzufuhren sei Sarcinelli will die griechische Wirtschaft unter eine wirksamere Kontrolle der Gemeinschaft und des Internationalen Wahrungsfonds (IWF) stellen Ein vertraulicher Report des IWF aber warnt Die rasch wachsende Verschuldung des öffentlichen Sektors gerate außer Kontrolle, wenn nicht lange überfällige Strukturreformen durchgesetzt wurden

Aufgeblähter Staatssektor

Ähnliche Tone schlägt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris an In den achtziger Jahren zahlte Griechenland zu den Schlußlichtern unter den OECD-Mitgliedslandern; die Wirtschaft wuchs pro Jahr im Durchschnitt um ein halbes Prozent, gerade ein Zehntel des Zuwachses vergangener Perioden. Obwohl das Mittelmeerland seit 1981 Mitglied der EG ist, zog es im Gegensatz zu Spanien oder Portugal kaum Vorteile aus dem Zugang zu den Markten der Partnerstaaten