Von Claus Jacobi

Sie sind noch einmal davongeflogen. Der 27. März, jener Tag, an dem der Mars der Erde seit Jahren am nächsten stand, ist verstrichen, ohne daß „Fliegende Untertassen“ landeten und uns eine Vorhut der Bewohner des kriegerischen Planeten beschert haben.

Die Geschichte der „Fliegenden Untertassen“ ist ebenso kurz wie bewegt. Sie begann an einem Sommertag, dem 24. Juni 1947. Damals meldete der amerikanische Verkehrspilot Kenneth Arnold, daß er bei seinem Flug über Washington neun seltsame, glänzende Scheiben entdeckt habe, die ruhig in einer Kette hintereinander in Hohe von etwa 3000 Meter ihre Bahn zogen. „Sie sahen aus wie lauter Diskusscheiben“, meinte er. Sein Bericht wurde zur Sensation. Innerhalb der nächsten vierzehn Tage wollten nicht weniger als 250 Augenzeugen in 33 Staaten Amerikas „Fliegende Scheiben“ erblickt haben.

Die Dementis der amerikanischen Luftwaffe, daß es „nichts dergleichen“ gäbe, wurden einfach nicht geglaubt. Und in der Tat: Halluzinationen, Verwechselungen oder gar die Produkte einiger Spaßvogel, die in amerikanischen Ortschaften mit runden Pappdeckeln und angebundenen knatternden Raketen diverse Ohnmachtsanfälle verursachten und in Deutschland mit roten und gelben Heißluftballons das Elbestädtchen Stade in Aufregung versetzten – sie allein können nicht für die folgenden Ereignisse verantwortlich sein. Denn heute, drei Jahre nach dem Auftauchen der ersten „Fliegenden Teller“ haben schon Tausende „Fliegende Untertassen“ gesehen; mit und ohne Fernglas.

Übereinstimmung besteht vorläufig in allen Berichten nur darüber, daß es sich um runde Gebilde handelt. Aber das ist auch alles. Einmal sind die Scheiben feurig, dann wieder silbern, hier rot, dort schimmernd. Der winzige Marsgnom von 57 cm Länge, mit einem plumpen Kopf, der neben einer zerschellten „Untertasse“ aufgefunden sein sollte, hat sich inzwischen als ausgewachsene (Zeitungs-)Ente entpuppt. Aber nicht immer verlaufen die Überraschungen so harmlos: Captain T.F. Mantell, ein erfahrener Jagdflieger, der auf Geheiß seines Kommandanten vom Godman-Flugplatz aufstieg, um eine „Fliegende Untertasse“ zu verfolgen, wurde das erste Opfer des Himmelsspuks. Man fand seinen Leichnam und die Trümmer seiner abgestürzten Maschine in der Nahe bei Fort Knox...

Zu allen Zeiten sind Menschen seltsame Zeichen am Himmel erschienen. „In hoc signo vinces“ stand unter dem Kreuz, das Kaiser Diocletian in den Wolken erblickte. 1664 sahen holländische Fischer eine regelrechte Seeschlacht hoch über dem Horizont. Aber ob es Einbildung oder Naturerscheinungen waren – stets nahm man es als himmlische Botschaften. Doch als die Menschen lernten, sich selbst in der Luft zu bewegen, änderte sich das gründlich. Fortan vermuteten sie dort nur noch Böses.

Und wäre es nicht wirklich ein großer Fortschritt, wenn es gelänge, in Form einer „Fliegenden Untertasse“ einen Spion des Mars zu „erlegen“? Träumt nicht bereits mancher mit Recht von einer ost-westlichen Verbrüderung zur Verteidigung der Erde?