Als ich neulich einen Leserbrief las, endete dieser mit den Worten „... mit anderen Worten: Wir brauchen viel mehr Artikel, die mit den Worten ‚Als ich neulich‘ anfangen, falls Sie verstehen, was ich meine.“

Das versteh ich voll und ganz.

Es bedeutet die Sublimierung des Speziell/Persönlichen zum Allgemeingültig/Menschlichen, es bedeutet „Ich bin du“, es bedeutet Leser-Bär-Bindung, es bedeutet „Wir sind das Volk, nur ich gottlob nicht und du deshalb auch nicht“.

Als ich neulich einen ganz großen Triumph hatte, da ging das folgendermaßen vor sich. In meiner Stammkneipe erzählte ich zwei vage mit mir befreundeten Herren einen Witz. Blau und Goldenberg gehen in der Abenddämmerung über ein Stoppelfeld. Da huscht ein kleines Tier von hier nach dort. Fragt Blau Goldenberg: „War das eine Maus oder eine Ratte?“ Sagt Goldenberg zu Blau: „Bin ich ein Kürschner?“

Wenig später kamen wir auf die deutsche Frage zu sprechen, und ich sagte, mein Lieblingskandidat für das Amt des Deutschen Kaisers wäre Stefan Heym. Ideale Integrationsfigur, kann sich seine Reden selbst schreiben, hat was gesehen von der Welt, sieht irgendwie aus wie König Drosselbart, sächselt milde, so daß sich die ehemalige Deutsche Demokratische Republik voll repräsentiert fühlen kann, kurz: ein Kaiser zum Anfassen und Liebhaben. Außerdem wäre das Ausland beruhigt, denn wenn wir uns einen jüdischen Kaiser leisten, haben wir ja wirklich was dazugelernt.

Das war auch alles gut und schön, und von ein paar unsachlichen Zwischenbemerkungen seitens der vage mit mir befreundeten Herren abgesehen – Und Kaiserin wird dann Caroline von Monaco sowie Heym ins Reich – drang ich mit meinem Vorschlag auch recht gut durch, sagte aber leider einmal aus Ver-Hehen statt Stefan Heym Georg Heym (dt. expressionistischer Dichter, 1887-1912). Daraufhin wurde ich von den beiden vage mit mir befreundeten Herren mit Hohn überschüttet, konterte aber, und nun kommt der Triumph: „Bin ich der ,Kürschner‘?“ Das muß man sich mal vorstellen. Einmal der pelztierverarbeitende Handwerksberuf und gleich darauf das Literaturnachschlagewerk. Auf so einen Triumph kann man lange warten. Habe ich ja auch getan. Nun ist erst mal wieder für längere Zeit Schluß.

„... außerdem“, stand in dem Leserbrief, „wollen wir etwas von fernen Ländern erfahren, von Reisen, von Land und von Leuten.“