Es gibt wenige Autoren beim Thema Niederlande, die dem, was sie über dieses Land mitzuteilen haben, so deutlich ihren Stempel aufdrücken wie Günter C. Vieten. Auf Basis einer profunden Kenntnis hat er, wortreich und poetisch formuliert, ein amüsantes Buch über Holland geschrieben, ein Land, das die touristische Werbung, so Vieten, falsch als idyllisches Wohnzimmerbild aus den Jahren der Nierentische beschreibt. Zwar versäumt der Autor nicht, auf einiges Ärgerliche hinzuweisen, die Kriminalität etwa, den bornierten Calvinismus der „bibelfrommen Reeder“, doch überwiegen die positiven Seiten bei der Darstellung des Volkes, dessen Blick stets über den Atlantik ging.

  • Ulf Müller-Moewes (Photos) und Günter C. Vieten (Text):

Holland

Bucher Verlag, München 1989; 152 S., 58,– DM

Der interessierte Leser erfährt in diesem Bildband eine Menge geschichtlich relevanter Informationen und erhält einen Einblick in die Zusammenhänge des komplizierten gesellschaftlichen, von einer jüdisch-christlichen Kultur geprägten Lebens. Ein spannender Abschnitt schildert, wie die Holländer ihren Reichtum erwarben und mehrten. Ein Volk, das vor Jahrhunderten noch nach „Schalbier und Torffeuer“ gerochen hat, machte im 16. Jahrhundert plötzlich Weltgeschichte, als die Reeder in ihrem calvinistischen Kirchenstaat das Geld zum Götzen machten. Wer arm war, zählte nicht. In wenigen Jahrzehnten schuf die calvinistische Gesellschaft ein gewaltiges Weltreich, das von hundert unterworfenen Völkern bewirtschaftet wurde. Noch heute erinnern die farbigen Mitbewohner daran, wie unbarmherzig damals Menschen behandelt wurden.

Von solider Kenntnis zeugen auch die informativen Bildtexte; in der Anthologie präsentiert sich das Land, so wie es sich vor rund zwei Jahrhunderten dem staunenden Reisenden darstellte. Sehr viel hat sich seitdem nicht verändert: Die Dörfer sind noch immer gepflegt, und wer einige gesehen hat, der hat sie alle gesehen.

Die Farbphotos von Ulf Müller-Moewes erzählen von dem schönen Holland, von den harmonischen Dörfern, der beinahe unverfälschten Natur, sie vermeiden das Häßliche, die Bedrohung durch das Meer, die Gefährdung der Umwelt etwa. Dennoch hilft der Band, die Menschen hinter den Deichen besser zu begreifen, und er gibt dem Zaudernden Mut, mit dem Land Bekanntschaft zu schließen.