DIE ZEIT

Die Richtung stimmt

Die Zweifel sind ausgeräumt, das Getuschel sollte aufhören. Was hatten sich die EG-Partner bloß für Sorgen gemacht? Einige sahen Bonn nur noch mit der Wiedervereinigungsarbeit beschäftigt; andere entdeckten die einigungstrunkenen Deutschen schon im europäischen Bremserhäuschen; ganz Ängstliche wähnten bereits ein "Viertes Reich" im Anmarsch.

Eine Wohltat

Jan Jozef Lipski, Professor für Literaturgeschichte und Senator im polnischen Senat, ist ein engagierter Bürgerrechtler. Vor Jahresfrist hat er wenig Beifall und viel Ärger mit einem Artikel erregt: Zwei Vaterländer – zwei Patriotismen, der den Untertitel trug: "Bemerkungen zum nationalen Größenwahn und zur Xenophobie der Polen".

Wann geht’s weiter?

Falls sich die Hängepartie in Ost-Berlin noch lange hinzieht, wird viel politischer Schwung verlorengehen. Erst die Wahlen, dann die Qualen? Die Bürger hatten es sich anders vorgestellt.

Riskant

Fast genau ein Jahr nach der Havarie des Tankers Exxon Valdez ist Kapitän Joseph Hazelwood von drei Anklagepunkten freigesprochen worden.

Der Sumpf alten Denkens

Ausgerechnet Michail Gorbatschow, der große Reformer, schickt sich an, seinen ehrgeizigen Plan für die Modernisierung der Sowjetunion zu verspielen.

Worte der Woche

"Ich mag keinen Broccoli. Und ich habe ihn nicht gemocht, seit ich ein kleines Kind war und meine Mutter ihn mir vorsetzte..

Zeitspiegel

Bis in die Tage des Ersten Weltkrieges lebte Frankreich nach der Sonnenzeit, wie die Greenwich Mean Time von unseren sprachbewußten Nachbarn genannt wurde.

Wahlen in Ungarn: Wetterhahn statt roter Stern

Zwischen Kameras und Computern, die den Kontakt mit handgekurbelten Dorftelephonen verweigerten, fieberten in der Hauptstadt Budapest die Profis von Politik und Presse nächtelang einem Ergebnis entgegen, dessen Kern doch jeder schon vorher kannte: Ungarn hat die Freiheit gewählt – sei es unter dem Namen des konservativen Demokratischen Forum, das die meisten und doch nur ein knappes Viertel der Stimmen gewann, sei es im Gewand des sozialliberalen Bundes Freier Demokraten mit zwanzig Prozent.

Britische Konservative: Mit Schläue, Charme und Methode

Michael Heseltine bleibt jetzt, da er sein Lebensziel zum Greifen nahe fühlen darf, kühl bis ans Herz hinein. Mit keiner Miene verrät er, wie wohl ihm die Begeisterung tut, die ihm entgegenschlägt, wann immer sein Autokonvoi in konservativen Hochburgen auftaucht.

Ben Witter: Angetippt

Belastungen durch die Vergangenheit, so nennt er sein Problem, Vergangenheitsbewältigung im üblichen Sinn bat nichts damit zu tun.

Volksrepublik China: Lernen von Lei Feng

Der Parteizellensekretär Zheng Zhaoying aus Harbin "fiel plötzlich vornüber auf den Schreibtisch und war tot. Die Untersuchung ergab, daß er an einer Reihe von Krankheiten und völliger Erschöpfung gelitten hatte.

Neuer Anlauf zum Frieden

Moskau und Washington haben ein Interesse daran, den Bürgerkrieg in Afghanistan zu beenden

Kleiner Vorgeschmack

Es ist eine Sache, eine Wahl zu gewinnen, und eine andere, vollmundige Wahlversprechen einzulösen; davon können alle Parteien ein Liedlein singen.

Ein Hauch von Kreuth

Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört, auch bei der deutsch-deutschen Parteitaktik. Auf die völlige Okkupation des Wahlkampfs in der DDR folgt die Übertragung bisher bundesdeutscher Rivalitäten und Konflikte.

Gerd Bucerius zu Fragen der Zeit: Auf einen Nenner?

Lassen sich das gesellschaftliche, das wirtschaftliche und das politische System der DDR und der Bundesrepublik überhaupt auf einen Nenner bringen? Gäbe es nicht die deutsche Literatur – voran der Autoren aus der DDR, der ausgewanderten und der drüben Gebliebenen –, würde man zweifeln.

Kommunalwahlen: Die Summe der Provinz

Da richten sich die Augen aller, jedenfalls für den historisch kurzen Moment eines Wahlabends, auf Äbtissinwisch und Groß Pampau, Goldelund und Kirchnüchel.

Rückblick: Rumänien: Balkanisierung

Eine Woche nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rumänischen Nationalisten und Angehörigen der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen ist die Lage zwischen den verfeindeten Volksgruppen weiter gespannt.

Bonner Bühne: Grenzfälle

Eine "Friedensgrenze" solle aus der deutsch-polnischen Grenze werden, schlägt Helmut Kohl jetzt vor. Sobald die Einheit hergestellt sei, werde ein klares Wort zur Oder-Neiße-Linie fällig.

Nachlese: Nicaragua: Entwaffnung der Contras

Die gegen die Sandinisten kämpfenden Contras haben sich am vergangenen Wochenende bereiterklärt, noch vor dem 25. April ihre Waffen niederzulegen; an diesem Tag übernimmt Violeta Chamorro das Präsidentenamt von Daniel Ortega.

Weltbühne: Bremser und Temposünder

Allen voran schreiten die Eidgenossen. Sie haben es am 1. April in der Hand, mittels Volksabstimmung der Zubetonierung ihrer schönen Alpenrepublik Einhalt zu gebieten, die Verkehrsfläche auf dem Stand von 1986 einzufrieren und drei geplante Autobahnteilstücke zu verhindern.

Verfahren gegen die Parteispender

Mindestens zwei Jahrzehnte lang haben alle großen Parteien der Bundesrepublik über mehr oder minder dubiose Vereine Spenden angesogen und eingestrichen.

Bonner Kulisse

gung hat Hans-Hilger Haunschild, von Forschungsminister Heinz Riesenhuber 1987 in den vorzeitigen Ruhestand geschickter Staatssekretär, jetzt gefunden.

Europa: Macht Einigkeit zu stark?

Drei Gespenster gehen um in Europa: das Gespenst vom wirtschaftlichen Großdeutschland, welches die Stabilität der D-Mark auf dem Altar der Wiedervereinigung opfert, damit europaweit die Zinsen nach oben treibt und die Partner in die Rezession drängt; das Gespenst vom einig Vaterland, dessen Unternehmen den Osten des Kontinents überrollen; schließlich das Gespenst vom ökonomischen Riesen, der die wirtschaftlichen Zwerge zwischen Dublin und Lissabon weiter an den Rand zwängt, mit seiner Wirtschaftsmacht die politische Balance innerhalb der Europäischen Gemeinschaft stört und den europäischen Einigungsprozeß behindert.

Chemiefabrik Rabta: Imhausen im Glück

Über ein Jahr lang kämpften sich Fahnder des Bundeskriminalamtes, Wirtschaftsgutachter und Ingenieure gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Mannheim durch Berge von Firmenkorrespondenz, Bankbelegen und Blaupausen.

Autoseller: Der Schein trügt

Importierte Autos, so scheint es, können nur schwer einen Platz auf der Liste der fünfzehn hierzulande beliebtesten Modelle erobern.

Waffenindustrie: Opfer des Friedens?

Daß die Rüstungsindustrie vor großen Umbrüchen steht, ist in der Öffentlichkeit spätestens seit der umstrittenen Fusion von Daimler-Benz und MBB bekannt.

Wiedervereinigung – ein guter Fang

Was für ein Mensch macht so einen Job? Morgens um halb vier aus dem Bett, zehn bis sechzehn Stunden Arbeit, öfters auch am Samstag oder Sonntag – und dann womöglich vom Ersparten leben.

Die Mikatkommission

Im Anschluß an die Bonner Kohlerunde vom August 1989 erteilte die Bundesregierung den Auftrag, eine Perspektive für die deutsche Steinkohle nach 1995, also nach Auslaufen des Jahrhundertvertrags zwischen Bergbau und Elektrizitätswirtschaft, auszuarbeiten.

Der Erfolg der Un-Politik

Weniger Subventionen für den Bergbau – doch die Experten streiten über das richtige Konzept

Griechenland: Europas kranker Mann

Ähnliche Tone schlägt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris an In den achtziger Jahren zahlte Griechenland zu den Schlußlichtern unter den OECD-Mitgliedslandern; die Wirtschaft wuchs pro Jahr im Durchschnitt um ein halbes Prozent, gerade ein Zehntel des Zuwachses vergangener Perioden.

Tokio: Flüchtiges Geld

Der Mythos der Unverletzlichkeit unseres Aktienmarktes ist dahin", sorgte sich Teruhiko Mano. Der Chefberater des Präsidenten der Bank of Tokyo sieht gegenwärtig ganz schwarz: "Wir sind in einem Teufelskreis gefangen, der mit steigenden Zinsen, sinkenden Aktienkursen, einem schwachen Yen und Kapitalflucht beginnt.

Der Preis der Arbeitslosigkeit

Der Aufschwung ist im achten Jahr, und die Zahl der Beschäftigten steigt – doch die Klienten der Arbeitsämter werden kaum weniger.

Reiche unter sich

Daß die Produkte bundesdeutscher Unternehmen im Ausland begehrte Waren sind, liegt angesichts der beständig steigenden Ausfuhren auf der Hand.

Manager und Märkte

DG Bank: Geordneter Rückzug MBB: Wachsendes Waffenlager Bundespost: Umstrittenes Monopol

Ein Schatz wird geplündert

Als Charles Darwin im Jahr 1831 nahe Bahia an der brasilianischen Atlantikküste an Land ging, schrieb er in sein Tagebuch: "Freude ist ein schwacher Ausdruck für die Gefühle eines Naturforschers, der zum ersten Mal durch einen brasilianischen Wald streift.

Republikanische Studenten: Das Aus

Nur elf Monate nach ihrer Gründung im Münchener "Löwenbräukeller" will sich die offizielle Studentenorganisation der Republikaner Mitte April selbst auflösen.

Kompostierung: Das Windel-Recycling

Gebrauchte Windelhöschen brennen gut. Sie gehören zu denjenigen Müllfraktionen, die für ein anständiges Feuer im Verbrennungsofen sorgen.

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