Die dubiosen Wertpapiergeschäfte der DG Bank scheinen ein weiteres prominentes Opfer zu fordern, den Chef des Hauses, Helmut Guthardt. In der genossenschaftlichen Bankengruppe wundert man sich, daß Guthardt nach eigener Aussage zwar "jede Schreibmaschine im Haus gekannt, aber offensichtlich nichts von den Milliardengeschäften gewußt habe". Intern wird denn auch schon über einen "geordneten Rückzug" des ersten Mannes der DG Bank nachgedacht, wobei allerdings noch unklar ist, wer Guthardt beerben könnte.

Gut im Rennen liegt offenbar Arnold Kremer, Chef der genossenschaftlichen SGZ-Bank in Frankfurt. Der hat zwar schon das Rentenalter erreicht, könnte aber eine begehrte Mitgift mitbringen: die wegen der Querelen bei der DG Bank auf Eis gelegte Fusion beider Häuser. Um Guthardts Zukunft, so heißt es, brauche man sich nicht zu sorgen. Er könne schließlich noch Hotelier werden – in seinem eigenen Hotel Sonnenblick in Bad Soden im Taunus.

Mag sein, daß Bild- Leser manchmal mehr wissen, aber nicht alles stimmt immer. Diese Woche prangte auf der ersten Seite die Schlagzeile "Vertriebenen-Urteil. Schlesierin bekommt 102 Millionen DM". Richtig ist, daß das Oberlandesgericht Stuttgart der Erbin einer Frau, die bei Kriegsende auf der Flucht Daimler-Aktien im Wert von 500 000 Reichsmark verloren hatte, jetzt die genannte Entschädigung zusprach. Darauf hatte sie, so die Meinung der Richter, einen Anspruch aus dem Wertpapier-Bereinigungsgesetz. Falsch ist also, daß es sich dabei um ein Vertriebenen-Urteil handelt.

Falsch ist auch die Schreckensmeldung von Bild, jetzt rolle "eine Prozeßlawine auf das Finanzministerium zu", denn seit 1976 können überhaupt keine Ansprüche mehr angemeldet werden. Nach Auskunft des Bundesausgleichsamts in Bad Homburg sind noch zwei Verfahren anhängig – dann ist endgültig Schluß. Bis Ende 1988 wurden immerhin Entschädigungen in Höhe von 74 Millionen Mark gezahlt.

Möglicherweise ist Jürgen E. Schrempp, Vorstandsvorsitzender der Daimler -Tochtergesellschaft Deutsche Aerospace AG (Dasa) einem Traum etwas näher gerückt: daß ein Verkehrsflugzeug mit einem Triebwerk der MTU Motoren- und Turbinen-Union fliegt. MTU gehört zur Dasa-Gruppe und hat bislang nur eine untergeordnete Rolle im internationalen Triebwerksgeschäft gespielt. Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Edzard Reuter und Robert F. Daniel, Chef des amerikanischen Konzerns United Technologies (UTC), zu dem der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney gehört, haben nun beschlossen, eine Allianz einzugehen. Die Triebwerksgeschäfte beider Konzerne sollen einschließlich der Forschung und Entwicklung von einem gemeinsam und paritätisch besetzten Ausschuß gesteuert werden. Vermutlich wird es auch in diesem Jahr noch eine wechselseitige Beteiligung der Triebwerksfirmen geben, die einen Anteil von Pratt & Whitney an MTU zwischen zehn und zwanzig Prozent bringen könnte. Für Schrempp ist diese Allianz auf dem Gebiet der zivilen Flugzeugmotoren der Beleg dafür, "daß wir den Ausbau des Zivilgeschäfts ernst meinen".

Das Münchner Rüstungsunternehmen Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) tut sich mit dem Umstieg auf zivile Fertigungen offenbar recht schwer. Jetzt wurde bekannt, daß MBB im Werk Schrobenhausen unterirdische Lagerräume für Raketen- und Waffensysteme erheblich ausweiten muß. Die Sache kam ans Licht, weil MBB dafür 65 000 Quadratmeter Waldgelände braucht, das noch im Besitz des Landes Bayern ist. Nun soll das Land zum Vorzugspreis von rund vierzig Mark pro Quadratmeter an MBB gehen. Der Haushaltsausschuß des Landtages hatte dem Geländeverkauf in geheimer Sitzung mit der Mehrheit der CSU zugestimmt. Ein Sprecher des Schrobenhausener Werkes meint, mit zivilen Produkten lasse sich der Standort auf die Dauer nicht halten. Die Umstellung von militärischer auf zivile Produktion sei in diesem Werk "nicht einfach".

Daraus machte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Tyll Necker, nie ein Geheimnis: Die Postreform und die damit verbundene Liberalisierung der Telekommunikation geht ihm in der Bundesrepublik nicht weit genug. Denn: Der lukrative Fernsprechdienst und der Ausbau sowie Betrieb des Fernmeldenetzes bleiben auch nach der Umstrukturierung im Monopol der Telekom. Das ist jenes Unternehmen der Bundespost, das nach der Dreiteilung des gelben Riesen jetzt für das Fernmeldegeschäft zuständig ist.