Es wird keiner in diese Societät ein- oder angenommen, der nicht zum allerwenigsten Cossam quadratam et cubicam verstehe, dabey aber auch die vornehmsten und nöthigsten Fundamenta Euclidea ... gefasset habe.“ Daß einer diesen Anforderungen genügte, mußte er in einer Prüfung beweisen. Dann erst durfte er Mitglied der „Kunstrechnungs-Liebenden Societät“ werden, der im Jahre 1690 zu Hamburg gegründeten, ältesten Mathematiker-Vereinigung der Welt.

Vorige Woche kamen in der Hansestadt Gelehrte aus aller Herren Länder zusammen, um das dreihundertjährige Bestehen des – heute „Mathematische Gesellschaft in Hamburg“ genannten – Vereins zu feiern. Sie taten dies mit Referaten über ihre Forschungsergebnisse, ganz im Sinne der dreihundertjährigen Vereinstradition, „damit, wann eine Arbeit einmahl von einem verrichtet, selbige von einem anderen nicht nochmals vergeblich vorgenommen werde.“

„Mathematiker sind Leute, die ihr Leben damit verbringen, einander dauernd Witze zu erzählen“, hatte einer von ihnen, der Wahlberliner Alexander Dinghas, behauptet. Es muß etwas daran sein; denn während der Jubiläumswoche wurde im Hamburger Geomatikum oft gelacht – worüber, das blieb freilich selbst manchem gelehrten Tagungsteilnehmer verborgen. Keine andere Wissenschaft ist in so viele Spezialgebiete aufgesplittert wie die Mathematik unserer Tage, und so ist es häufig nur eine winzige Schar Eingeweihter, bei denen der Witz eines besonders geistreichen Beweises ankommt.

Die Mathematische Gesellschaft in Hamburg ist allerdings von jeher bestrebt gewesen, Verständigungsbrücken zwischen den Spezialisten zu schlagen und auch – bei ihren berühmten Herbsttagungen – das allgemeine Publikum am geistreichen Mathematik-Spaß teilhaben zu lassen. Darum finden wir in den Mitgliederlisten der Kunstrechnungs-Liebenden neben so bekannten Mathematikern wie Karl Friedrich Gauss oder David Hilbert auch Handwerker, Buchhalter, einen Hamburger Bürgermeister und einen Lotsen. v. R.