Fast genau ein Jahr nach der Havarie des Tankers Exxon Valdez ist Kapitän Joseph Hazelwood von drei Anklagepunkten freigesprochen worden. Nur einer blieb übrig. Das Gericht in Anchorage befand den Seemann lediglich der fahrlässigen Meeresverschmutzung schuldig; es schlug die Vorwürfe der Trunkenheit, der groben Fahrlässigkeit und des kriminellen Verhaltens nieder. Hazelwood muß unter anderem tausend Stunden Reinigungsarbeiten ableisten.

Über vierzig Millionen Liter Rohöl waren im März 1989 in den Prince-William-Sund an der Alaskaküste geströmt, nachdem der Tanker auf ein Riff gelaufen war. Es war das größte Ölunglück der amerikanischen Westküste, so groß und so folgenreich, daß man lieber nur nach einem Schuldigen suchte, anstatt auch nach den Ursachen jenseits des menschlichen Versagens zu suchen. Vor allem waren die Kosten – die der Küstenreinigung und die der drohenden Schadensersatzforderungen – augenscheinlich zu hoch, als daß noch jemand unvoreingenommen die Frage stellen wollte: Ist ein Transportsystem akzeptabel, das nach einem einzigen menschlichen Fehler die ökologische Katastrophe in Kauf nimmt?

Das Urteil aber gibt diesen Fragen den nötigen Raum. Ob Radarüberwachung von der Küste aus oder Besatzungsstärke, Zeitdruck oder vorgeschriebene Kurse – für die Zukunft wäre mehr zu bedenken als nur ein Alkoholverbot für Seeleute, deren Schiff bald ausläuft. Und selbst die Behauptung, der Kapitän hätte nie einem dritten Offizier das schwierige Streckenstück überlassen dürfen, ist auch nur ein Beleg für eine Bereitschaft zum Risiko, die mit der Exxon Valdez ad absurdum geführt worden ist. H. B.