Ägypten will den Tourismus auf dem Sinai ankurbeln – vor allem am Golf von Aqaba. Präsident Mubarak will verhindern, daß Planungsfehler anderer touristischer Zielgebiete hier wiederholt werden.

Als 1982 der Sinai von den Israelis zurückgegeben wurde, hatten die Ägypter unter Anwar el-Sadat große Pläne mit der Halbinsel: Bodenschätze abbauen, 3000 Quadratkilometer Wüste bewässern und in Kulturland umwandeln, das Land für den Tourismus erschließen. Wenig davon wurde umgesetzt. Es fehlt an Geld und Wasser, vor allem an Devisen. Was blieb, war die Ankurbelung des Tourismus.

Rund 270 Kilometer lang ist die Küste am Golf von Aqaba, von Taba an der Grenze zu Israel bis hinunter zum äußersten Zipfel Ra’s Muhammad. Auf langen Strecken sind die Sandstrände noch jungfräulich. Die meisten Hotels konzentrieren sich in der Naama-Bucht bei Sharm-el-Sheikh. Sonst gibt es nur wenige Hotelanlagen und Tauchbasen in Nuweiba, Dahab und Taba. Die zum Teil schon von den Israelis gebauten Hotels werden jetzt nach und nach renoviert. Einige neue Anlagen entstehen, zumeist Bungalows im arabischen Stil. Daß der Aufbau des Tourismus auf dem Sinai ein mühsames Geschäft sein kann, mußten die Besitzer des im April 1989 fertiggestellten Hotels „Club Aquasun“, an dem das Deutsch-Arabische Reisebüro DAR in Köln zu siebzig Prozent beteiligt ist, feststellen: Regenfälle richteten an den 27 Häusern, die 35 Kilometer nördlich von Nuweiba liegen, große Schäden an. Die Bauherren hatten vergessen, die neue Küstenstraße mit einem Abflußsystem zu versehen.

Insgesamt stehen am Golf von Aqaba rund 3000 Gästezimmer für Badeurlauber und Unterwassersportler bereit. In drei, vier Jahren sollen es 6000 bis 7000 sein. Nachdem Ende vergangenen Jahres Regierungschef Mubarak an den Golf von Aqaba gereist war und die Hotels besichtigt hatte, erließ er einige Dekrete, mit denen ein unkontrollierter Bettenboom verhindert werden soll. Fortan müssen künftige Bauherren drei Millionen Ägyptische Pfund (etwa zwei Millionen Mark) nachweisen – als Gewähr dafür, daß keine Hotelruinen aus Geldmangel die Küste verschandeln.

Die Baumaßnahmen sollen überprüft und überwacht werden. Abwässer dürfen nicht in den Golf geleitet werden. Die Grundbucheintragung findet erst statt, wenn das jeweilige Projekt beendet ist. Gleichzeitig hob Mubarak die bis dahin niedrigen Grundstückspreise an und erklärte einige Zonen zum Naturschutzgebiet.

Wie die Touristen am Golf mit Lebensmitteln versorgt werden sollen, erscheint derzeit noch ungeklärt. Um die Versorgung mit Obst und Gemüse zu verbessern, bemüht sich die Regierung, die nomadisierenden Beduinen am Golf von Aqaba seßhaft zu machen, denn an der Küste gibt es etwas Grundwasser. Die meisten der 130 000 bis 140 000 Beduinen ziehen mit ihren Kamel-, Ziegen- und Schafherden wie seit Urzeiten noch umher. Bisher müssen fast alle Versorgungsgüter – bis auf Fisch – mit Lastwagen aus Kairo angeliefert werden.

Um Touristen die Anreise nach Taba und Nuweiba zu erleichtern, wurde Mitte Dezember 1989 der frühere Militärflughafen El-Nakb, der nur dreißig Kilometer von Nuweiba entfernt ist, der zivilen Luftfahrt geöffnet. Vorerst wird er für Inlandflüge der Air Sinai montags und donnerstags ab Kairo genutzt (Flugzeit: eine Stunde). Doch die Regierung will den Flughafen ausbauen. Schon jetzt gibt es viele Anfragen internationaler Fluggesellschaften, die zur Zeit ihre Passagiere noch über Sharm-el-Sheikh und Elat in den nördlichen Küstenabschnitt bringen. Auch das Deutsch-Arabische Reisebüro, Generalagent der privaten ägyptischen Airline ZAS, will dann El-Nakb von Deutschland direkt anfliegen. Wann das sein wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Hetzel, Oft Reisen, Orion Interconti haben unter anderem den Sinai im Programm. Die größte Auswahl bietet der Kölner Veranstalter DAR (Mauritiussteinweg 85) mit Sinai-Safaris, Kamel-Expeditionen und einem umfangreichen Hotelangebot. Elke Sturmhoebel