Von Rudolf Walter Leonhardt

Die anderen vier Hotel- und Restaurantführer mußten warten, bis nun, vier Monate später, auch der Varta gekommen ist, der sich dafür, seiner Zeit voraus, 1990/91 datiert. War es das Warten wert?

Sicher nicht der stolz angekündigten Neuheiten wegen. Da ist zum einen ein Anhang "DDR", in dem schon jetzt nicht alles stimmt und 1991 noch weniger stimmen wird. Und zum anderen gibt es jetzt ein Verzeichnis der Hotels in "europäischen Großstädten". Es ist unnütz. Denn wer, der nach London fährt, will sich von Varta sagen lassen, das "Ritz" am Piccadilly sei dort das beste Hotel und essen könne er am besten bei "Simpson’s-inthe-Stand" (sie!)?

Schließlich sind auch die sogenannten Reisetips überflüssig. Warum sollte einer sich da in Lübeck die Hotels "Kaiserhof" und "Lysia", dazu die Restaurants "Wullenwever" und "Lübecker Hanse" empfehlen lassen? Die findet er doch, wenn er unter "Lübeck" nachschlägt, und er findet dort auch, daß das Restaurant "Wullenwever" im Gegensatz zu vier anderen Restaurants nichts hat, wodurch es sich besonders empfähle.

Am besten an all dem eher störenden Beiwerk sind die wirklich sehr guten Karten, die es an Übersichtlichkeit mit manchem Autoatlas aufnehmen können.

Der Stammteil hingegen, die Auflistung und Bewertung der westdeutschen Hotels und Restaurants, ist nach wie vor zuverlässig und von furchtbaren Fehlern frei. Nach wie vor besteht die Neigung, die Skala der Hotelbewertungen zwischen einem und fünf Sternen wenig zu nützen, so daß sich das meiste bei drei zusammendrängt; aber vielleicht ist es ja auch so, daß der Durchschnitt überwiegt. Und nach wie vor zögern die Varta-Inspektoren, ihre Wertungen mehr als nötig zu verändern. Da ist es denn geradezu sensationell, wenn ein Hotel wie das "Hanseatic" in Hamburg-Winterhude, vor drei Jahren noch im Varta gar nicht zu finden, inzwischen, und zu Recht, gleich nach "Vier Jahreszeiten" und "Abtei" das am höchsten empfohlene geworden ist.

Varta scheut sich nicht, auch in Großstädten angenehme Hotels zu finden, wobei man seit einiger Zeit schon das allzu subjektiv wirkende "angenehm" durch eine scheinbar objektivere "lobenswerte", "hervorragende" oder "erstklassige Hotelleistung" ersetzt hat.