Es kommt, wie es kommen mußte. Wütende Schüler werden sich jetzt an ihnen abarbeiten. Zähe Doktoranden werden sie zu Fußnoten verwursten. Graue Archivare werden sie mit Nümmerchen bekleben und oben in den Regalen verstecken. Seit der 18. März vorbei ist, sind jene schlecht getippten, unscharf gedruckten, auf grobem Papier verteilten Ideen der Revolutionäre für die Ewigkeit bestimmt. Es hat sich ausgeflogen. Was vorbei ist, ist Geschichte. Und wehmütig blättert die Leserin in jenen „Gesammelten Flugschriften“, Orginaldokumente der DDR-Opposition, die der Asta der TU Berlin (West) zwischen rührend bunte Deckel geheftet hat:

„In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört...“, schreibt das Neue Forum in jenem ersten Flugblatt, das „Aufbruch 89“ heißt: „Belege hierfür sind die weitverbreitete Verdrossenheit bis hin zum Rückzug in die private Nische und zur massenhaften Auswanderung ... Wir verzetteln uns in übelgelaunter Passivität und hätten doch Wichtigeres zu tun für unser Leben, unser Land und die Menschheit.“

Sie sind bereit, alles zu geben – dreißig Namen aus der ganzen DDR (die der Asta TU leider nicht nennt). Sie werden nicht zugelassen – „wurde statt dessen erklärt, es bestehe kein gesellschaftliches Bedürfnis für die Tätigkeit des Neuen Forums“, heißt es in dem Protestflugblatt. Sie fordern Pressefreiheit, ein neues Wahlrecht und Mediengesetz – und erhalten Beschwerdebriefe: Klagen über ungleiche Verteilung von Hotelbetten, Reisen, Autos, Bier, Kassettenrecordern ... Jetzt macht das Volk Geschichte.

Heft 2: DDR-Frauenbewegung. Heft 3: Vereinigte Linke. Zu Bestellen bei Asta TU / „Gesammelte Flugschriften der DDR“, Marchstraße 6, 1000 Berlin 12; pro Band 5 Mark.