„Phantastische Stimmen, großartiges Bühnenbild“, lobte Dr. Martin Willich, CDU-Vize-Fraktionschef und Studio-Hamburg-Chef, die Aufführung. Seine Frau Angela dagegen schränkte ein, daß sie den Eröffnungsteil mit dem Sündenfall zu direkt fand. Das meinte auch Unternehmer Dr. Kurt A. Körber, der einen in Mailand gefertigten Smoking trug.

Das „Hamburger Abendblatt“ vom 26. Marz 1990 über ein Nachspiel zur Hamburger „Tannhäuser“ Premiere

Fritz-Sänger-Preis

Im April des vergangenen Jahres sollte der Journalist Wolfgang Moser den Fritz-Sänger-Preis für mutigen Journalismus erhalten. Er wies den Preis mit der Begründung zurück, Sänger sei während seiner journalistischen Tätigkeit in der Zeit des Nationalsozialismus „Teil des Lügensystems“ gewesen. Otto Köhler nahm darauf in der ZEIT vom 14. April 1989 Sänger gegen Moser in Schutz, widerrief sich aber selber in einem großen Bericht (ZEIT vom 23. Februar 1990), worin er Moser beipflichtete und Material ausbreitete, das Sängers Verstrickung in die Pressepolitik der Nazis belegte. Köhler plädierte gegen die weitere Vergabe des Preises. Jetzt hat der „Presseservice der SPD“ eine Erklärung der Jury des Fritz-Sänger-Preises verbreitet, in der es heißt, die Jury halte an der Auszeichnung fest. „Der Sozialdemokrat Fritz Sänger hat in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Bundesrepublik als Journalist gearbeitet. Seine berufliche Tätigkeit in der Presse der NS-Zeit stand seit 1937 auch in Verbindung mit dem sozialdemokratischen Widerstand. Fritz Sänger hat aus den Erfahrungen im staatsgelenkten Journalismus seine Konsequenzen gezogen. Er hat sich nach 1945 immer wieder gegen jegliche Bevormundung der journalistischen Arbeit gewandt – offen und trotz nachteiliger Folgen für ihn selbst.“

Doppelblüten

Doubletten gibt es in jeder Zeitung, in dieser hier besonders viele. Einen Gipfelpunkt der journalistischen Verdoppelungskunst allerdings erreichte die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 23. März 1990: Auf Seite 37 meldete sie den Verkauf von Vincent van Goghs Gemälde „Schwertlilien“ (auch „Irisblüten“) an das Getty-Museum in Malibu, in der Version der Deutschen Presseagentur. Der SZ-Leser, jetzt schon aufs höchste erregt, blättert um – und findet auf Seite 38 dieselbe (nein, sagen wir: die gleiche) Meldung noch einmal, diesmal in einer Fassung, die sich offenkundig der New York Times verdankt. Schaudernd blicken wir ins Innere eines liberalen Weltblattes und sehen diese Szene: Redakteur A. (Seite 37), grämlich über die dpa-Meldungen gebeugt, Redakteur B. (Seite 38), mühsam die New York Times entziffernd. Und sie redeten miteinander nicht ein Wort. Und schauten nicht mehr (wozu auch?) ins eigene Blatt. Übrigens, bevor wir es vergessen: 1. Das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung leitet Dr. A. Roeseier. 2. Den Kulturteil der SZ leitet Albrecht Roeseier.

Biervereinigung

Die deutsche Geschichte (einschl. Vergangenheit) hat sich wie folgt abgespielt: 1885 ließ die Münchner Spaten-Brauerei von dem Architekten Gabriel von Seidl in der Berliner Friedrichstraße ein sechsgeschossiges Prunkstück bauen. Das Geschäft der Münchner Wirtschaft lief blendend, selbst während des Kriegs, also des Zweiten Weltkrieges, doch dann verleibte ihn sich der Staat ein, und später fiel er der Spitzhacke zum Opfer. Das hohe Ansehen des Münchner Biers im anderen Deutschland verdankt sich umfangreichen Lieferungen schon Mitte des vorigen Jahrhunderts und ist selbst in den letzten schweren Nachkriegsjahrzehnten nicht gesunken. Es gab harte Zeiten für die Deutschen, und das waren, folgen wir diesem Bericht aus dem Lokalteil der SZ, die Jahre nach dem Krieg, den die Münchner Brauereien fast gewonnen hätten, hätte nicht der SED-Staat kassiert. Augustiner, das Staatliche Hofbräuhaus, Spaten und die Löwenbrauerei wurden ihre Anwesen gleichsam über Nacht los. Jetzt aber kommt die Biervereinigung nach Artikel 1 des Grundgesetzes („Das Bier des Menschen ist unantastbar“), und die SZ meldet voller Zuversicht, schon sei die Bierlieferung an die Einkehr der historischen Wartburg fest in der Hand von Spaten, versorge Hacker-Pschorr das „Hotel Metropol“ in Ost-Berlin, habe sich Paulaner in Leipzig breitgemacht. Die Überschrift des SZ-Artikels lautet: „Von der Isar fließt wieder Bier nach Osten“.