Wem die Stunde schlägt

Bis in die Tage des Ersten Weltkrieges lebte Frankreich nach der Sonnenzeit, wie die Greenwich Mean Time von unseren sprachbewußten Nachbarn genannt wurde. Nach diesem Krieg wurde eine Stunde, wissenschaftlich GMT + 1, zugeschlagen. 1940 schlug dann die deutsche Stunde (GMT +2), was es vier Jahre später nötig machte, die Zeiger wieder vom Stechschritt zu befreien. Vor vierzehn Jahren paßte sich auch Frankreich unter dem Eindruck des Ölschocks europäischen Zeitsitten an und unterwirft sich seither dem harten Wechsel von Sommer- und Winterzeit. Jetzt fordert eine sozialistische Abgeordnete mit dem Namen Ségolène Royal, endlich Schluß mit dem Zeitenwechsel zu machen. Nur, welche Stund’ wird in Frankreich künftig schlagen, die englische, die eigene – oder eine europäische?

Nicht von dieser Welt

Die Nachwahl in Mid-Staffordshire vergangene Woche war den britischen Konservativen wichtig genug, selbst den alten Kämpfer Lord Whitelaw an der Kampagnefront aufzubieten. Schon im Zweiten Weltkrieg schlug sich das jetzige Oberhausmitglied tapfer. In Lichfield posierte er nun mediengerecht in einer Konditorei mit einem riesigen Osterhasen. Schließlich erstand er einen Schokoladenelefanten für seine Enkelinnen. Großzügig verzichtete er auf die Münzen beim Wechselgeld: „Geben Sie mir bloß die Pfundnoten.“ – „Wir haben mittlerweile Pfundmünzen“, wies die Verkäuferin den Lord auf die vor über einem Jahr erfolgte Umstellung hin. Etwas Wahres muß an der Behauptung schon dran sein, das britische Oberhaus sei nicht so ganz von dieser Welt.

Majestätsbeleidigung

Als der belgische Anwalt Christian Bouvier am Heiligen Abend den Fernseher einschaltete, war es mit seiner festlichen Stimmung vorbei. Der Grund seiner Verstimmung lag in der traditionellen Weihnachtsbotschaft von König Baudouin I. Statt, wie von seinem Untertanen erwartet, auf die dramatische politische Entwicklung in Osteuropa – besonders in Rumänien – einzugehen, hielt der Landesvater eine hausbackene Predigt über die christliche Nächstenliebe für Kinder. „Mein Herr“, schrieb Bouvier seiner Majestät daraufhin einen geharnischten Brief, „Ihre Herrschaft geht langsam zu Ende. Vererbung, ob direkte oder indirekte, ist kein demokratischer Weg, Macht zu übernehmen.“ Das Königshaus fand an Bouviers Zivilcourage wenig Gefallen und schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Die suchte und fand ein vergessen geglaubtes Gesetz von 1847, das Majestätsbeleidigung mit einem halben bis drei Jahren Gefängnis bestraft. Damit nicht genug, muß sich Bouvier vorab einer neuropsychiatrischen Untersuchung unterziehen, bei der geprüft wird, ob er den Anforderungen einer Gerichtsverhandlung gewachsen ist.