Ab und zu sieht man Hans Apel noch durchs Regierungsviertel streichen: einer, der lange dazu gehörte und langsam dem Vergessen anheimfällt. In Erinnerung bringt er sich mit seinem Buch „Der Abstieg“.

Was für ein Titel – und wer anders als Apel käme auf den Gedanken, den eigenen Niedergang nachzuzeichnen, ohne großes Selbstmitleid, ohne übermäßige Selbstüberschätzung? Als der SPD-Politiker noch in Blüte stand, schrieb Rolf Zundel über ihn: „Zum reinen ‚homo politicus‘, der so vollständig in seinem Amt aufgeht, daß der Mensch kaum noch sichtbar wird, hat Hans Apel nicht das Zeug. Er verwandelt sich Freitagabend in einen Privatmann, und er fühlt sich wohl dabei. Dieser Rest von Familie, Kirche, Segeln und Fußballspielen ist für ihn unveräußerlich. Von da kommt seine Sicherheit, von dort stammen auch manche seiner Maßstäbe, die nicht immer ganz zur Politik passen.“

Maßstäbe: Als er vierzehn ist, stirbt seine Mutter. „Mein Vater arbeitet im Hafen. Ich kaufe ein, putze die Wohnung, klaue Kohlen und gehe zur Schule. Wir beide machen alles gemeinsam.“ Apel wird Verkaufskorrespondent und läßt sich zum Landesgeschäftsführer der Jusos überreden. Für die SPD geht er in die Europapolitik und 1965 in den Bundestag. Staatsminister im Auswärtigen Amt unter Scheel, Finanzminister, Verteidigungsminister. O-Ton: „Verteidigungsminister haben sich viel zu zeigen, aber wenig zu sagen.“

Das Unveräußerliche: Kein anderer Bonner Bücherschreiber hat je seiner Frau solche Kränze gewunden: „Sie ist mein Hort, meine Kraftquelle und hin und wieder auch mein Tarnnetz. Wir sind in unserer Liebe und in unserem Lebenszuschnitt von niemandem abhängig.“

Homo politicus: Die Fremdheit zu Erhard Eppler grenzt an verständnislose Verachtung. „Niemals hat er politischen Erfolg, und dennoch wächst sein Einfluß ständig.“ Die Distanz zu Helmut Schmidt ist beträchtlich: „Im Interesse der Sache, so hatte er mir einmal erklärt, müßten manchmal leider auch Menschen große Opfer bringen, die ihnen eigentlich nicht zugemutet werden könnten. Es ist schwer für mich, das zu akzeptieren.“ Willy Brandt ist ihm fern, bald auch Hans-Jochen Vogel. Sein Leuchtturm heißt Herbert Wehner.

Der Abstieg: Das Berliner Abenteuer, die Nicht-Wiederwahl in den Parteivorstand. „Die Partei will mich nicht mehr.“

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