Von Heide Soltau

Ein Signal wollten sie setzen, als sie 1986 zur Hamburger Bürgerschaftswahl mit einer reinen Frauenliste antraten: die Frauen der Grün-Alternativen-Liste (GAL). Und die Rechnung ging auf. Fasziniert starrte die Öffentlichkeit auf die "frechen Frauen". Ihr Modell wurde bis weit über die Stadtgrenzen bekannt – bis nach Barcelona und Bologna wurden die Frauen eingeladen. Die vier Ministerinnen in Schleswig-Holstein, der Quotierungsbeschluß der SPD, der mehrheitlich mit Frauen besetzte Berliner Senat wären nicht denkbar ohne die Provokation der Hamburger GAL.

Der Bürgerschaftsalltag war weniger glanzvoll. Spektakuläre Aktionen sind den GALierinnen nicht gelungen. Doch bescheinigte man ihnen schon bald – über die Parteigrenzen hinweg – Fleiß, Engagement und vor allem: Kompetenz. Ein Lob, das in der männerdominierten Politik nicht gering veranschlagt werden darf.

Was so verheißungsvoll begonnen hatte, ist nun auseinandergebrochen. Vier – unter ihnen die Fraktionsvorsitzende Krista Sager – verließen die GAL. Sie rechnen sich zum realpolitischen Flügel der Partei. Damit hat die Partei ihren Fraktionsstatus verloren, für den sechs Abgeordnete Bedingung sind. Der Grund für die Austritte: Die deutschlandpolitischen Beschlüsse der Hamburger Mitgliederversammlung, das Votum der "Fundamentalisten" für die strikte Zweistaatlichkeit, mochten die Frauen nicht mittragen. "Die Mehrheit macht Sektiererpolitik, das lehnen wir ab", sagt Krista Sager.

In Wahrheit schwelen die Konflikte schon lange. Die Fundamentalisten hatten darauf bestanden, ihre Kandidatinnen mit auf die Liste zu setzen. So war es zu der paradoxen Situation gekommen, daß die Frauenliste auch von Fundi-Frauen getragen wurde, die mit der Frauenidee nicht viel im Sinn hatten. "Wir Realos wurden wie die Republikaner in der eigenen Partei behandelt", so Krista Sager.

Die vier Abtrünnigen haben sich inzwischen dem außerhalb der GAL neugegründeten Grünen Forum angeschlossen, einer streng realpolitisch ausgerichteten Organisation, die das Wort "links" aus ihrem Programm gestrichen hat. Für die Frauen wohl auch eine persönliche Wende – sie gehörten ehemals zu den Chefkadern der Hamburger K-Gruppen. Ihre Mandate haben sie übrigens nicht zurückgegeben. "Wir wollen mit der Frauenfraktion weitermachen", verteidigt Krista Sager diesen Entschluß. Sie hat dabei einen Vorschlag von Margret Hauch und Helga Wullweber im Auge – zwei der vier Abgeordneten, die noch in der GAL verblieben sind –, die jetzt endlich eine wirklich unabhängige Frauenfraktion gründen wollen.

Die Sache ist also kompliziert: Nur eine einzige Abgeordnete, Dagmar Pelzer, bekennt sich noch bedingungslos zur Partei. Eine zweite ist schwer erkrankt und nimmt an den Auseinandersetzungen nicht teil. Die anderen sechs – zwei GALierinnen, vier Abtrünnige – streben mit der unabhängigen Frauenfraktion einen Neuanfang an – "raus aus dem strömungspolitischen Clinch", wie Helga Wullweber sagt.