Von Brigitte Macher

Grüne Weiden mit braunweißen Kühen, die im Takt ihre Schwänze schwenken; neugierige Kälbchen; kräftige, treuherzig blickende Jungbullen; glatthaarige, anmutige Färsen; glänzend braune Pferde; gelbe Rapsfelder; junger Mais in Reih und Glied; ordentlich gepflügte Äcker: Es ist ein buntes Bauernland, das Münsterland, und es ist ein Land für Radfahrer. Auf den asphaltierten Wirtschaftswegen fährt es sich wunderbar leicht dahin. Der Radler bewegt sich relativ mühelos vorwärts. Und das genießt er.

Der Mann, der das Münsterland bereits in den dreißiger Jahren den Radlern erschloß, heißt Theo Breider. Der ehemalige Verkehrsdirektor von Münster entdeckte die „Pättkes“, die stillen Pfade, und kreierte das Pättkesfahren.

„Pättkesfahren heißt zu versuchen, auf kleinen abseitigen Wegen zu guten Gedanken und besseren Einsichten zu kommen“, lautet eines seiner Gebote. Ein Netz von Pättkes knüpfte Theo Breider in akribischer Arbeit zu einem Tourenprogramm zusammen. Der laufend überarbeitete, auflagenstarke „Pättkesführer“ gilt als eine Art Radlerbibel im Münsterland. Seit den siebziger Jahren organisiert auch der Verkehrsverein Münster sechstägige, meist ausgebuchte Pättkestouren, die vor allem die zahlreichen Wasserburgen zum Ziel haben.

Inzwischen machen die „Randwestfalen“ von Höxter den Münsteranern Konkurrenz. Sie hatten die Idee, einen Fernradwanderweg zu schaffen, der 270 Kilometer lang quer durch Westfalen führt. Er beginnt an der holländischen Grenze in Zwillbrock und endet an der Weser bei Höxter. Wer dann noch nicht müde ist, kann auf dem Weser-Radwanderweg R 99 weiterfahren. Doch auch nach Holland hinein eröffnen sich unzählige Möglichkeiten, denn die Holländer haben schon vor vielen Jahren ihr plattes Land mit einem Radwegenetz überzogen.

Der seit 1988 bestehende, mit dem grünen R 1 markierte Radweg führt direkt durch die ehrwürdige, schöne Stadt Münster. Radwanderanfänger können sich hier, ungefähr in der Mitte des R 1, entscheiden, auf welchem Teil sie ihr Glück versuchen sollen: Nach Osten geht es bergauf, bergab über den Teutoburger Wald zu Herrmann dem Cherusker; nach Westen durchs wasserburgenreiche westliche Münsterland nach Holland. Wir wählen die Strecke des geringsten Widerstandes, die flache westliche Route mit ihren zahlreichen Verführungen zu Abzweigungen und Umwegen, so daß man die Tour leicht auf das Doppelte an Zeit und Kilometern ausdehnen kann.