Von Paul Moor

Die Hinrichtung von Julius und Ethel Rosenberg am 19. Juni 1953 im New Yorker Staatsgefängnis Sing Sing löste damals in der ganzen Welt eine Welle der Empörung aus, und noch heute gibt es Zweifel an der Schuld dieser ersten amerikanischen Zivilisten, die wegen Spionage verurteilt wurden. Eine Wanderausstellung "Unknown Secrets: Art and the Rosenberg Era" ("Unbekannte Geheimnisse: die Kunst und die Rosenberg-Ära"), die zur Zeit im Jewish Community Museum in San Francisco gezeigt wird, macht diese brisante Zeit wieder anschaulich. Sie weist vor allem auf, daß in Amerika Kunst als politischer Protest während der Roosevelt-Administration, als Folge des Börsenkrachs von 1929 und der anschließenden Weltwirtschaftskrise, außerordentlich wirksam war, dann zwar etwas in den Hintergrund getreten sein mag, aber durchaus noch nicht verstummt ist.

Der Fall Rosenberg hatte einen wichtigen Vorläufer, der ebenfalls die amerikanische Literatur und Kunst stark beeinflußte. Im Jahre 1927 wurden in Massachusetts Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti hingerichtet – zwei einfache italienische Einwanderer, der eine Schuster, der andere Fischhöker, beide Anarchisten – für einen Mord, den sie, wie die Untersuchungen seither ergeben haben, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht begangen haben. Damals protestierten Liberale und Intellektuelle in Amerika voller Wut gegen die offensichtliche politische Justiz; der Fall wurde immer wieder in der amerikanischen Literatur und Kunst aufgegriffen, und heute kennt jeder gebildete Amerikaner die beiden Namen.

Die bekanntesten Künstler in der Rosenberg-Ausstellung sind Pablo Picasso und Fernand Leger. Picasso lithographierte ein Doppelportrait von Julius und Ethel Rosenberg und widmete es deren beiden Söhnen: "Pour Michael et Bobby Rosenberg". Léger stellte aus den Worten "Liberté, Paix, Fraternité" einen farbigen Siebdruck her, gewidmet "à Robert orphelin", dem Waisenkind Robert. Beide Werke kamen nur in einer kleinen Auflage heraus, und die Künstler spendeten die Einnahmen der Rosenberg-Stiftung,

Das faszinierendste Bild der Ausstellung, ein 1987 entstandenes Gemälde in grellen Farben von Peter Saul, zeigt Ethel festgeschnallt auf dem elektrischen Stuhl. Um ihren Kopf herum lodern Flammen wie aus einem Gasbrenner. Robert Arnesons Bronzestatue von 1987, einer Grabplatte ähnelnd, zeigt die dicht beieinander liegenden Köpfe der Rosenbergs nach ihrer Hinrichtung, auf ihrer Stirn reliefartig die Worte eingestanzt "Two Fried Commie Jew Spies" ("Zwei gebratene kommunistische Judenspione"), dazu am Ohr von Julius Rosenberg ein rotweißblaues Etikett mit Eisenhowers Wahlslogan "I like Ike". Unter den rein literarischen Ausstellungsstücken sind Werke von Robert Coover, E.L. Doctorow, Allen Ginsberg, Arthur Miller und Adrienne Rich. (Doctorows Roman "The Book of Daniel", der sich mit der Situation der beiden Söhne der Rosenbergs beschäftigt, war Grundlage für den gleichnamigen Film von Sidney Lumet.) Bob Dylan verkündete in einem nicht veröffentlichten Lied:

Eisenhower was President / Senator Joe was King / Long as you didn’t say nothing / You could say anything.

(Eisenhower war Präsident / Senator Joe war King / Solange du nichts sagtest / konntest du alles sagen.)