Nicolae Ceauşescu, der "tapferste Mann Rumäniens", der "scharfäugigste Falke der Karpaten", lebte in ständigem Krieg nicht nur mit seinem Volke, sondern auch mit dem Bären. Die Ausrottung seines ewigen Feindes, des Ursus carpatinus, in Fleisch und Blut betrieb er ganz ohne ideologische Verkleidung.

Dieser Bericht beschreibt die Große Siebenbürgische Jagd, kriegsmäßig ausgerichtet nach dem strategischen Plan "Falke – Oktober 1984", in den Görgényer Alpen. Die Jagdgeschichte ist, trotz ihrer Parodiehaftigkeit, ein authentisches Dokument der Ceauşescu-Diktatur, ein Lehrstück über die Technik der Machterhaltung.

Von István Várhegyi

Am 10. Oktober 1984, 2.00 Uhr in der Frühe, wird der Direktor des Tiergartens in Marosvásárhely telephonisch aus seinem schönsten Traum geweckt. Der diensthabende Sekretär des Kreisausschusses der Partei teilt kurz eine Anweisung mit: Der Direktor hat sich sofort anzuziehen und an seiner Dienststelle zu melden.

Der Zoodirektor, durch zahlreiche Nachtalarme abgewettert, fährt unverzüglich in den Tiergarten. Dort überdeckt totale Finsternis die Käfige. Vor dem Hauptgebäude warten zwei Geheimpolizisten. Die zwei großen Braunbären sind sofort und unter Wahrung der vollen Diskretion den Abgesandten des Staatszirkus Bukarest auszuliefern, die sich seit einer Stunde bereithalten. Die Leute vom Zirkus betäuben und fesseln die Bären. In Kippwagen werden die Tiere in den Speziallaster geschoben. Der fährt ohne weiteres los. Der verschlafene Zoodirektor blickt, wohl selbst etwas betäubt, hinterher.

Kaum haben die Beauftragten des Staatszirkus Marosvásárhely verlassen, wird ihr Lkw von der Verkehrspolizei angehalten. Alkoholprobe! Der Fahrer wird für angetrunken erklärt. Auch der Beifahrer entgeht seinem Schicksal nicht: Er kann nicht nachweisen, von wem, wann und wo er die Packung Marlboro erwarb, wozu er die Polizisten einzuladen vergessen hat.

Dem Polizeiwagen folgt ein schwarzer, geschlossener Gefangenenwagen. Blitzschnell werden die Bären in dieses Auto umgeladen. Dann geht die Fahrt in Richtung Görgenyer Alpen.