10. Oktober – 4.00 Uhr

Die Morgenruhe des jahrhundertealten Eichenwaldes, etwa zwei Kilometer vom historischen Jagdschloß in Laposnya entfernt, wird vom Geratter des Lasters unterbrochen. Der Wagen quält sich durch das dürre Laub. Dann hält er auf einer kleinen Lichtung. Die landsknechthaften Gefängniswärter strengen sich fluchend mit den Bären an. Mit schäumendem Maul schlagen die Tiere auf dem Waldboden auf, beißen, noch angebunden, in das vom Tau nasse Gras.

Ein Tierarzt eilt herbei, untersucht sie und nickt zufrieden. Die Burschen werden drei, vier Tage ohne Nahrung schon durchstehen. Den Bären werden Maulkörbe aufgesetzt, damit sie, bis die Jagd beginnt, weder fressen noch trinken können. Ihre Kiefer werden mit Stahlspreizen abgesperrt. Ihre hinteren Gliedmaßen werden an Eichenstämmen angebunden.

Zwei Geheimpolizisten, als Heger kostümiert, versuchen, einen Gaul zuzuführen, was nur mühsam gelingt. Das arme Tier wittert die Bären und versucht verzweifelt zu entlaufen. Der eine Polizist setzt sein Schießeisen an die Stirn des Pferdes; ein dumpfer Knall, und es sinkt lautlos zu Boden. Die Männer stechen ihre Bajonette in die frische Leiche. Das Blut des Pferdes strömt aus den Stichwunden. Die Bären röcheln. Stille kehrt wieder in den Wald ein, als die frühen Nebelbänke aus dem Tal emporsteigen.

10. Oktober – 8.00 Uhr

In der Nähe landet ein dunkelgrüner Armeehubschrauber. Die abgeordnete Pionierabteilung führt mit Fichtenzweigen und Laubwerk eine perfekte Tarnung der Bären und der Pferdeleiche aus. Etwa achtzig Meter von dieser Stelle entfernt, holzen die Pioniere in einem Umkreis von zwanzig Metern alle Bäume und Sträucher ab. Auf der so hergestellten Lichtung bauen sie in einer halben Stunde aus im Hubschrauber herangeschafften Fertigteilen den Hochstand für Ceauşescu. Der Turm ist, mit Rücksicht auf die Höhenangst des Präsidenten, niedrig gehalten. Doch eröffnet sich von hier aus ein hübsch breiter Ausblick in alle Richtungen.

Ein zweiter Hubschrauber liefert die elektronisch gesteuerte Sicherheitseinrichtung für den Jagdturm. Der Apparat läßt bei Berührung mit fremdem Material den Bau in die Luft fliegen und verhindert somit jegliches feindselige Anbringen eines Sprengstoffes.