German Wings ist ein hartnäckiger Herausforderer für die übermächtige Lufthansa. Mit überraschender Zähigkeit trotzen die aufmüpfigen Neulinge bisher allen frontalen und hinterlistigen Attacken. Das kostete viel Substanz. Ohne einen starken Partner ist der ungleiche Kampf deshalb nicht länger zu bestehen, denn der gereizte Riese läßt keine Gelegenheit aus, den lästigen Rivalen zu ducken.

Per Gerichtsbeschluß mußte die Staatsfluglinie gezwungen werden, bei Umbuchungen die Tickets von German Wings genauso anzuerkennen wie die jeder anderen ordentlichen Fluglinie auch. Das hindert die Lufthansa jedoch nicht daran, Kunden schlecht zu behandeln, die von der innerdeutschen Konkurrenz zu ihr wechseln, etwa wenn diese Firmenrabatte in Anspruch genommen haben. Reisende werden dann höflich, aber bestimmt darauf hingewiesen, daß sie nur dann mit Lufthansa in der Bundesrepublik fliegen können, wenn sie die Preisdifferenz nachzahlen, auch wenn die Staatslinie genau den gleichen Rabatt gewährt. Anweisung von oben! Und Hinweis für die umworbenen Geschäftsleute: Wenn sie nicht auf dem Flughafen herumrennen, Geld nachzahlen und dabei möglicherweise den Flug verpassen wollen, sollte die Sekretärin gleich den – dann ja billigeren – LH-Flug buchen. Untreue lohnt sich nicht.

Solche Spielchen müssen bis zum Jahresende aufhören, beschloß das Gericht ebenfalls. Doch der Kampf wird weitergehen, mit härteren Bandagen sogar, schließlich läuft alles auf die Entscheidung hinaus, ob German Wings überleben wird. Mit wohlgefälliger Anteilnahme hat die Lufthansa noch die mühsame und langwierige Suche des Rivalen nach einem starken ausländischen Partner begleitet – wurde doch offenbar, wie schlecht es um German Wings stand. Nun aber wird sich zeigen, ob der hartnäckige auch ein hartgesottener Konkurrent ist. hp