Der Münchner Neuling kam gegen Lufthansa nicht an

Von Heinz Blüthmann

Noch vor wenigen Wochen schwärmte Peter Kimmel: "In zehn Jahren belegen wir im Konzert der europäischen Airlines einen sicheren Platz. Mit unseren Jets fliegen wir nicht nur alle wichtigen deutschen Städte an, sondern auch ausgewählte strategische Ziele in Europa. Und im Interkontinentalverkehr reden wir ein Wörtchen mit." Kein Zweifel, der Geschäftsführer und Mitbegründer der Münchner Fluggesellschaft German Wings hatte große Pläne.

Die muß Kimmel nun begraben. In der Nacht zum Dienstg dieser Woche meldete die jüngste deutsche Airline Konkurs an und schloß die Schalter – nur ein Jahr nach dem Start. Mehr als 500 Piloten, Flugbegleiterinnen, Mechaniker und Büroangestellte hatten am Tag der Arbeit nichts mehr zu tun. Ihnen bietet sich nun reichlich Gelegenheit, über die Qualitäten ihres Ex-Chefs nachzudenken, der noch Ende Dezember vergangenen Jahres folgende Plan-Eckdaten verkündete: "Wir gehen davon aus, daß wir 1992 mit insgesamt 900 Mitarbeitern dreißig Prozent des deutschen Marktes bedienen und 1,7 Millionen Passagiere im Jahr fliegen – das ist für uns erreichbar."

German Wings stürzte ab, weil es Kimmel und seiner Crew nicht gelang, genügend Passagiere aus den Lufthansa-Jets in seine Maschinen zu locken. Der Münchner Newcomer ist an der übermächtigen Lufthansa gescheitert, die den Inlandsmarkt beherrscht, in dem Kimmel reüssieren wollte. Der wichtigste Grund für die Dominanz der Kranich Linie, die mehrheitlich dem Bund gehört, ist ein Schatz, der nirgendwo in der Bilanz steht, aber die Stütze des Geschäfts darstellt: Lufthansa besitzt die besten Slots – reservierte Starttermine – auf allen inländischen Flugplätzen und kann deshalb dann fliegen, wenn es die Kalender der vollzahlenden Geschäftsreisenden erfordern. German Wings dagegen hatte nur ungünstige Slots.

Jüngst hatte Kimmel dies auch als entscheicendes Handikap erkannt: "Mit den bisherigen Slots können wir im Konkurrenzkampf mit der Lufthansa nicht mithalten. Das muß jetzt mit Gewalt geändert werden."

Auf der zweitwichtigsten Rennstrecke der Bundesrepublik, zwischen Frankfurt und Hamburg, auf der die Lufthansa in beiden Richtungen zum Teil mit halbstündigen Abständen fliegt, hatte German Wings in Frankfurt und Hamburg gerade je einen sinnvollen Abflugtermin pro Tag ergattert. Auf der noch verkehrsreicheren Verbindung Frankfurt-München sah es nicht anders aus. Lufthansa sitzt seit Großvaters Zeiten auf allen attraktiven Slots – morgens, abends und zwischendurch.